Seit März 2023 gräbt die Kantonsarchäologie Schaffhausen in Schleitheim, Flur Chrummenacker. Im Gewerbegebiet, innerhalb der archäologischen Schutzzone der römischen Kleinstadt Iuliomagus sollen ein Wohnhaus mit Reithalle, Stallungen und ein Unterstand gebaut werden. Ziel der Rettungsgrabung ist es, nur gefährdete Bereiche und Befunde auszugraben, die durch die Überbauung zerstört würden. Obwohl so viele archäologische Strukturen wie möglich im Boden erhalten bleiben sollen, löste das Bauprojekt eine Grossgrabung aus, die aufgrund der Komplexität der Befunde bis Juli 2025 dauern wird.

Bei den Ausgrabungen im Jahr 2024 wurden weitere Reste der ehemaligen Hauptstrasse durch die Siedlung sowie die Parzellen, die im Osten daran anschliessen, dokumentiert. Nur wenige Zentimeter unter dem Humus haben sich massive zweischalige Fundamentmauern, alte Bodenniveaus und Strassengräben erhalten. Steinfundamente von mindestens zwei Wohn- und Gewerbehäusern konnten bislang auf einer Länge von etwa 19 Metern gefasst werden. Es handelt sich um in typischer Streifenhausbauweise angelegte Bauten, die sich entlang der Strasse in Richtung Siedlungszentrum aneinanderreihten. Kompakte flächige Holzkohleschichten in der Nähe einer der Mauern sowie brandgerötete Steine könnten auf ein lokales Brandereignis hinweisen. Die Spuren deuten auf die Holzbauweise des Gebäudes hin.

Die Laufniveaus sind entweder Stampflehmböden oder einfache Erd-/Schotterböden, die von Zeit zu Zeit erneuert wurden. Mindestens eine Binnenwand konnte gefasst werden, die eines der Häuser längs unterteilte. Insgesamt konnten vier Herdstellen im Bereich der Häuser dokumentiert werden. Unter den Fundamentsteinen, die teils über 70 cm tief in den Boden reichten, zeigt sich mindestens eine ältere Siedlungsphase durch dünne Lehmschichten an. Pfostenlöcher, Parzellenabgrenzungen durch einfache Sandsteinsetzungen und Schotterplanien werden bei der weiteren Auswertung zusätzliche Indizien für die Innenraumaufteilungen und die Nutzung von Aussen- wie auch Innenbereichen liefern.

Im Bereich hinter den Häusern befinden sich Schuttplanien, Grabenstrukturen und zahlreiche Abfallgruben, die sowohl auf Gärten als auch auf handwerklich genutzte Flächen hinweisen. Tausende von Tonscherben, Schlacken, flächige Holzkohlereste und Tierknochen unterstreichen die intensiven Tätigkeiten in diesen Bereichen. Eine über sehr lange Zeit genutzte Werk- oder Vorratsgrube mit einem Durchmesser von rund zwei Metern und eine spätere, direkt daneben liegende runde Steinstruktur fast gleichen Ausmasses sind Zeugen der gewerblichen Nutzung dieser Areale. In der Grube wechseln sich massive Holzkohleschichten mit Schotter- und Sedimentschichten ab. Möglicherweise deutet dies unterschiedliche Nutzungsarten der Grube an. Während einer späteren Phase scheint die Oberfläche mit Buntsandsteinplatten ausgelegt gewesen zu sein. Typisch für die römische Zeit ist auch die Bestattung eines Säuglings im Siedlungsbereich, genauer gesagt im Hinterhof eines Hauses. Münzen, Melonenperlen in unterschiedlichen Blau- und Türkistönen, Fibeln, Nadeln, Überreste von Glasgefässen, zahlreiche verzierte Terra Sigillata-Fragmente, aber auch einfache Werkzeuge, die sich besonders gut in den Bereichen zwischen den Häusern erhalten haben, sind eindrückliche Zeugnisse der Lebensart der Bewohner*innen. Wie für die übrigen in Schleitheim lokalisierten Fundstellen postuliert, weist auch hier das Fundmaterial auf einen Siedlungsbeginn um 70 und eine kontinuierliche Nutzung bis ins 2. Jh. n. Chr. hin.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sich die römische Bebauung im neu entdeckten Streifenhaus-Quartier des Vicus Iuliomagus durch die Kombination von Geomagnetik, Sondierungen und Grabungen am Ende gut rekonstruieren lassen wird. Die Mehrphasigkeit der Baustrukturen wird es möglicherweise sogar erlauben, die zeitliche Entwicklung des Vicus besser zu fassen.