2025 wurde der nördliche Teil des 2023 entdeckten römischen Gebäudekomplexes ausgegraben. Dabei konnten die Fortsetzungen der West- und Ostmauer sowie die rund 24 m lange, zweischalige Nordmauer des insgesamt 27.3 m x 24.3 m grossen Grundrisses dokumentiert werden. Trotz geringer Erdüberdeckung blieben mehrere Lagen des aufgehenden Mauerwerks – angezeigt durch stirnseitig behauene Steine – erhalten. Beidseitig der Mauer fand sich eine grosse Menge an Mauerversturz, unter dem Reste einer römischen Bodenbefestigung aus Kies zum Vorschein kamen. Zahlreiche Funde, darunter aus dem heutigen Frankreich importiertes Tafelgeschirr (Terra sigillata), legen eine Nutzung des Gebäudes zwischen der 2. Hälfte des 1. und der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. nahe.
Die nördlichen Gebäudeecken weisen einen deutlich besseren Erhaltungszustand auf als die südlichen Pendants. Da die Nordmauer mit der West- und Ostmauer verzahnt ist, kann von einer zeitgleichen Errichtung der Aussenmauern ausgegangen werden. Bemerkenswert ist zudem, dass das Fundament der Nordmauer mindestens 1,5 m über die Nordwestecke hinaus nach Westen reicht – ein Befund, der sich, wenn auch weniger deutlich, bereits an der Südwestecke abzeichnete. Da das Gelände westlich des Mauergevierts zu einem unbekannten Zeitpunkt stark gestört wurde, könnte dort ursprünglich ein Anbau bestanden haben. Darauf deuten auch Reste einer Steinpflästerung westlich des Mauergevierts sowie ein rechtwinklig von der Westmauer abzweigender Mauerfortsatz ungeklärter Funktion hin.
Die 575 m² grosse Innenfläche unterteilt sich in fünf Räume sowie einen zentralen «Innenhof». Die Räume sind innerhalb des Gevierts L-förmig entlang der West- und Südmauer angeordnet (Abb. 2). Die bauliche Abfolge lässt darauf schliessen, dass nach der Fertigstellung des Mauergevierts zunächst die Räume 1 und 4 errichtet wurden. Erst in einer späteren Phase entstand Raum 2 durch das Einziehen einer rund 14.5 m langen Mauer zwischen den Räumen 1 und 4, während es sich bei Raum 3 um einen Einbau handelt, der durch eine 5.3 m lange Trennmauer innerhalb von Raum 4 abgeteilt wurde. Zu welchem Zeitpunkt Raum 5 errichtet wurde, muss zurzeit offen bleiben. Die Flächen der Innenräume variieren zwischen 8 m² (Raum 3) und 35 m² (Raum 2).
In Raum 1 fanden sich – wie auch in den Räumen 2 und 5 – Reste einer Steinpflästerung, die als antikes Bodenniveau beziehungsweise als Substruktion (Unterbau) eines Bodens zu interpretieren sind. Ein bedeutender Datierungshinweis stammt aus Raum 1: Unter dem Steinboden wurde ein Denar des Kaisers Trajan entdeckt, der in die Jahre 98–99 n. Chr. datiert (Abb. 3). Dieser Fund liefert für die Errichtung des Bodenniveaus einen wichtigen Terminus post quem. Unter der Steinpflästerung und stellenweise sogar unter den Mauerfundamenten von Raum 5 traten zudem zahlreiche Fragmente von römischer Geschirrkeramik, Glas und Knochen sowie stark korrodierte Eisenobjekte, vorwiegend Nägel, zutage.
Zwei weitere bauliche Befunde betreffen Kanäle, deren genaue Datierung derzeit noch aussteht. Einer der Kanäle leitete Wasser vermutlich vom «Innenhof» durch die Nordmauer nach aussen; die Fliessrichtung ist jedoch noch nicht abschliessend bestätigt. Auf einer Länge von rund 11 m konnten die Wangen- sowie einzelne Decksteine noch in situ dokumentiert werden. Ein zweiter, wesentlich schlechter erhaltener Kanal liess sich in der Südostecke von Raum 4 auf einer Länge von etwa 4 m fassen.
Während der Ostteil des römischen Gebäudes und die zugehörigen Gehhorizonte direkt auf dem anstehenden Boden (B-Horizont) lagen, zeigte sich im Westteil ein anderes Bild: Dort befand sich auf der gesamten Länge des Gebäudes zwischen dem B-Horizont und den römischen Befunden ein 20–30 cm mächtiger Anthrosol (durch menschliche Aktivitäten beeinflusster Boden). Auffällig ist, dass dieser Anthrosol in östlicher Richtung ausdünnt und etwa in der Gebäudemitte ausläuft. Ein ähnliches Phänomen lässt sich beim darunterliegenden B-Horizont beobachten: Auch dieser nimmt in Richtung Osten stetig an Mächtigkeit ab, bis er nur noch wenige Zentimeter misst. Dies lässt auf eine grossflächige Terrassierung des Geländes vor Baubeginn schliessen. Über die ursprüngliche Ausdehnung des Anthrosols nach Westen lassen sich aufgrund der nachgebäudezeitlichen Geländestörungen keine Angaben machen.
Südlich des Mauergevierts kamen unter den zum Gebäude gehörenden Kiesplätzen fünf Feuergruben zum Vorschein, die einen älteren Kieshorizont durchschlugen. Wahrscheinlich bezeugen sie eine vorgebäudezeitliche, vielleicht sogar eisenzeitliche Siedlungsphase.
Für eine solche vorrömische Nutzung des Areals sprechen insbesondere zwei weitere, in den Anthrosol eingetiefte Feuergruben, die vom römischen Mauerwerk des Raumes 1 geschnitten wurden. Zwei daraus geborgene Holzkohleproben fallen gemäss 14C-Altersbestimmung in die Latènezeit (Abb. 4). Abschliessend ist eine mutmassliche Urnenbestattung zu erwähnen, die 5 m südlich von Raum 1 in den Anthrosol eingetieft war. Parallelen aus dem Legionslager Vindonissa (Windisch/AG) lassen auf eine Datierung in augusteische Zeit schliessen.
Der Fund eines Steinbeils in der Nähe der Nordmauer ist nach früherenFunden ein weiteres Indiz dafür, dass der Ort bereits im Neolithikum begangen wurde.
Die Grabungen werden 2026 nördlich und westlich des Gebäudes fortgesetzt.
