Im Rahmen einer archäologischen Begleitung von Holzschlagarbeiten im Grundwald Anfang 2025 in der Gemeinde Dagmersellen wurde im Winter desselben Jahres das betroffene Waldstück sowie ein seit den 1990er-Jahren bekannter mutmasslicher Grabhügel prospektiert. Durch dessen exponierte Lage auf einem würmeiszeitlichen Moränenwall ist dieser stark der Erosion ausgesetzt. Dabei hat sich im Laufe der Zeit direkt südlich des Grabhügelzentrums ein ca. 8 x 6 m grosser Erosionstrichter gebildet, in dem bei der Begehung 2025 nur wenige Zentimeter unter dem Humus zwei bronzene Armringe gefunden wurden. Die Ha D2/D3 datierenden Armringe implizierten dabei die Überreste einer bzw. mehrerer erodierten hallstattzeitlichen Nach- oder gar Zentralbestattung(en), weshalb für den gefährdeten Bereich eine Rettungsgrabung angeordnet wurde.
Im Zuge der Rettungsgrabung zeigte sich, dass der Moränenwall anthropogen flach abgetragen und darauf ein Grabhügel von mindestens 6 m Durchmesser aufgeschüttet worden war, der heute noch bis zu einer Höhe von ca. 1 m erhalten ist. Im Zentrum des Grabhügels fand sich eine rechteckige, 3.5 m x 2.5 m messende, mehrlagige Steinsetzung, in deren 2.3 m x 0.9 m grossen und nach oben offenen Innenraum eine ungestörte Zentralbestattung dokumentiert werden konnte. Dabei handelt es sich um die schlecht erhaltenen Überreste einer E-W ausgerichteten, in gestreckter Rückenlage, mit dem Kopf im Westen beigesetzten Körperbestattung. Aufgrund der schlechten Knochenerhaltung konnten vor Ort keine eindeutigen anthropologischen Angaben zu Alter und Geschlecht gemacht werden, die Grabbeigaben lassen aus archäologischer Sicht jedoch auf einen Mann schliessen. Im Brustbereich lag eine quer über den Torso platzierte Spindelkopfnadel, auf dem linken Oberschenkel eine bronzene Zierscheibe mit Girlandenverzierung und im Bereich der rechten Hand ein Bandfingerring. Des Weiteren wurde parallel zur linken Seite des Oberkörpers ein Griffplattenschwert des Typs Nehren beigegeben. Im Kopfbereich fand sich zudem ein Gefässensemble bestehend aus einem mit grossen Kreisverzierungen um den Bauch versehenen Krug und einem Becher sowie eine einzelne Bernsteinperle. Anhand der Nadel sowie des Schwertes lässt sich die Zentralbestattung in die Mittelbronzezeit, Stufe Bz C, datieren.
Neben der Zentralbestattung zeigten sich im Randbereich sowie im Zentrum des Tumulus drei Nachbestattungen in Form von mit Keramik- und Eisenfragmenten durchsetzten Leichenbrandschüttungen. In einem Fall ist ein Miniaturgefäss überliefert, das aufgrund seiner Wanddicke und Proportionalität gute Vergleiche zur hallstattzeitlichen Grabhügelfundstelle Thunstetten Tannwäldli aufweist. Eine weitere Nachbestattung kam zudem oberhalb des Kopfbereichs der Zentralbestattung in Form eines Skeletts, von dem nur ein Teil des rechten Torsos sowie des rechten Oberschenkels erhalten ist, zum Vorschein. Die bei der Metalldetektorenprospektion entdeckten bronzenen Armringe sowie ein weiterer bronzener Armring, der sich zwischen Humus und Hügelschüttung fand und ebenfalls in die Stufe Ha D2/D3 datiert, sind weitere indirekte Belege für Nachbestattungen. Da die Resultate der Radiokarbondatierungen der Brandbestattungen sowie der zweiten Körperbestattung noch ausstehen, können diese im Moment nicht absolut datiert werden. Bei den Brandbestattungen ist jedoch aufgrund des Bestattungsritus sowie der den Leichenbränden beigemischten Eisenfragmente von einer Zeitstellung in der frühen Hallstattzeit, Stufe Ha C, auszugehen.
Aktuell sind weiterführende anthropologische und bioarchäologische Untersuchungen der menschlichen Überreste sowie archäobotanische und geoarchäologische Analysen in Arbeit oder Planung. Zudem laufen umfassende Untersuchungen und Auswertungen der an den Metallfunden anhaftenden, mineralisierten Textilreste.
