LK 1207, 2613590 / 1180190. Höhe 563 m.
Datum der Grabung: 7.12.2015-26.2.2016.
Bibliografie zur Fundstelle: H. Würgler, Vom Siechenhaus an der Zull zum Burgerheim an der Bernstrasse. Thun 1971.
Geplante Notgrabung (Neubaumassnahmen in einem Zentrum für Senioren und Pflegebedürftige). Grösse der Grabung 500 m².
Siedlung.
Im Burgergut Thun, das heute zum Gemeindegebiet Steffisburg gehört, betreibt die Burgergemeinde ein Zentrum für Senioren und Pflegebedürftige. Hervorgegangen ist es aus dem städtischen Siechen- oder Leprosenspital (Leprosorium) und dem späteren Waisenhaus. Die Anfänge der weit vor den Toren der Stadt an der Zulla, einem Nebenfluss der Aare, betriebenen Siechensiedlung sind bis in die Zeit um 1340 zurückzuverfolgen. 1436 ist erstmals von einem Siechenhaus die Rede. Zum Schutz der städtischen Bevölkerung wurden hier die an Lepra erkrankten Burger eingewiesen. Neben dem Siechenhaus gehörten die St. Jakobskapelle (1444 ersterwähnt) und ein Spitalfriedhof zur Siedlung. In eine Pfrundscheune, die in veränderter Form erhalten ist, wurden die Erträge der von den Siechen betriebenen Landwirtschaft eingelagert. Stiftungen und Vergabungen von Landgütern, sogenannte Pfrunden, sicherten die Finanzierung der Siedlung. Benötigt wurden Ställe und Scheunen, aber auch Transportkapazitäten, um die Erträge von den umliegenden Gütern abzuholen und Überschüsse auf dem Markt zu veräussern. 1770 entstand anstelle des nicht mehr benötigten Leprosariums das städtische Waisenhaus. Nach der Kanderkorrektion von 1739 lag die Siedlung an der neuen Ausfallstrasse nach Bern. Seit 1806 wurde das Waisenhaus als Burgerspital genutzt. Bei den aktuellen Grabungen wurden neue Aufschlüsse zum Baubestand der Siedlung gewonnen. Bereits 1989, 2005 und 2014 waren bei der Begleitung von Bauarbeiten bislang unveröffentlichte Befunde zum Siechenhaus, zur Pfrundscheune und zum Spitalfriedhof freigelegt worden. Beim Umbau des ehemaligen Waisenhauses wurden 1989 zahlreiche Pfostenlöcher nachgewiesen. Sie gehören vermutlich zur ältesten Siechensiedlung, als die Kranken noch in einfachen Holzgebäuden untergebracht waren. Grundrissrekonstruktionen sind indessen nicht möglich. Bei Leitungsarbeiten an der Bernstrasse wurden 2014 ein Grab und verworfene Menschenknochen des Spitalfriedhofs angetroffen. Ausserdem fanden sich Fundamentreste der Südostecke der wohl als schlichte Saalkirche angelegten Spitalkapelle. Weitere Reste des Friedhofs und der Kirche sind im heutigen Strassenbereich zu erwarten. Die bauarchäologischen Untersuchungen 2005 und 2016 in der inzwischen modern unterkellerten Pfrundscheune („Schüü“) zeigen, dass das Gebäude aus einem Kernbau der 1. H. 16. Jh. hervorgegangen ist. Ältere Vorgänger fanden sich nicht. Der älteste Bau ist als nahezu quadratisches Steingebäude mit einer zum Siechenhaus gerichteten Toreinfahrt zu beschreiben. Er ist vielleicht als der 1521 erwähnte Wagen- und Speicherschopf zu identifizieren. Schon im 16. Jh. erfolgten Umbauten mit einem nördlichen Anbau und Binnenmauern. Vielleicht waren hier nun Ställe eingebaut. Im 17. und 18. Jh. wurden weitere Veränderungen, u. a. Anbauten im Westen und Osten, vorgenommen. Damals entstand die erwähnte „grosse Scheune“ von insgesamt 27 m Länge. 2016 wurde westlich des Waisenhauses, bereits ausserhalb der heutigen Umfassungsmauer, ein quadratisches Becken mit rundgesetzten Innenecken entdeckt. Pfostenstellungen könnten zu einem Dach des ca. 1 m tiefen, gepflasterten Beckens gehören. Seine Datierung und Funktion bleiben unbekannt. In Leitungsgräben südöstlich der „Schüü“ wurde 2016 ein weiteres gemauertes Becken mit Mörtelboden angetroffen. Das barocke Becken wurde möglicherweise als Jauchegrube genutzt. Vor der Einfahrt zur Schür fanden sich wiederum Reste des im 18. Jh. errichteten Zollhauses an der Bernstrasse.
Datierung: archäologisch-historisch. um 1340-19. Jh. AD B, V. Herrmann.
Steffisburg BE, Bernstrasse 111
Das Original-PDF ansehen
Detail des Fundberichts
Gemeinde
Steffisburg
Kanton
BE
Ort
Bernstrasse 111
Koordinaten
E 2613590, N 1180190
Höhe
563 m
Signatur Fundstelle Kanton
--
Signatur Ereignis Kanton
--
Neue Fundstelle
--
Probenentnahmen
--
Analysen
--
Datum der Fundmeldung
--
Oberfläche (m²)
500 m2
Datum Beginn
07 Dezember 2015
Datum Ende
26 Februar 2016
Datierungsmethoden
Historisch, Archäologisch
Publikationsjahr
2017
Epoche
(Frühe) Neuzeit, Zeitgenössisch, Mittelalter
Art der Fundstelle
Siedlung
Art der Untersuchung
Ausgrabung (Rettungsgrabung)
Archäologische Funde
--
Knochen
--
Botanische Funde
--
×
