LK 1112, 2704 180/1232710. Höhe 408 m.
Datum der Grabung: 17.6.2015-Ende Februar 2016.
Bibliografie zur Fundstelle: R. Ackermann, Der römische Vicus von Kempraten, Rapperswil-Jona. Neubetrachtung anhand der Ausgrabungen Fluhstrasse 6-10 (2005-2006). Archäologie im Kanton St. Gallen 1. St. Gallen 2013; R. Ackermann/P. Koch, Römische Kalkbrennereien im Vicus von Kempraten (Rapperswil-Jona SG). Minaria Helvetica 35 (im Druck).
Geplante Notgrabung (Neubauprojekt). Grösse der Grabung 1100 m². Siedlung.
Ein Neubauprojekt ausserhalb des bekannten Perimeters des römischen Kempraten veranlasste die KA SG, die geologischen Sondagen zu begleiten. Dabei wurden zwei römische Kalköfen angeschnitten. Die nachfolgende Geomagnetikmessung (Ch. Hübner, GGH Solutions in Geosciences GmbH, Freiburg i.Br.) zeigte sogar drei nebeneinander liegende Öfen. Die Fundstelle liegt unmittelbar am Zürichsee. Das Gelände steigt, bedingt durch die aufsteigende Molasserippe, stufenartig an. Die drei Kalköfen folgten demselben Bauschema, das jeweils an die Umgebung angepasst und durch Reparaturen modifiziert war (Abb. 27). Der Ofenschacht (Dm rund 3 m) wurde in den Fels geschrotet und verjüngte sich gegen unten auf rund 2 m. Die ebenfalls aus dem Fels gearbeitete Ofenbank diente als Auflager für die Charge. Die Feuerkammer selbst wies hinten einen Steinsturz auf, ein zweiter war auf gleicher Höhe in der Einfeuerungsöffnung (Schnauze) eingebaut. Zusammen dienten sie als Auflager für das Brennholz.
Bei mindestens zwei Öfen war die Schnauze ursprünglich aus dem Fels gearbeitet worden. Auch die zu den Schnauzen führenden Küchen waren aus dem Fels geschrotet. Sie öffneten sich zum See hin, sodass der Transport von Rohmaterial, Brennholz und Kalk vom und zum See einfach war. Zuletzt wurden drei verschiedene Kalksteintypen gebrannt: Meilener Kalk (in Stäfa direkt am See anstehend), Quintner Kalk vom westlichen Walenseeende und Hombrechtikoner Wetterkalk (nahes Hinterland von Kempraten). Die Öfen waren nach einer ersten, vorläufigen Datierung an der Wende vom 1. zum 2. Jh. nacheinander von Ost nach West angelegt worden und dürften teilweise gleichzeitig betrieben worden sein. Sie wurden wohl wiederum von Ost nach West aufgelassen und gezielt verfüllt.
Ihr Betrieb könnte mit dem Übergang der Holz- zur Steinbauphase in Kempraten um 120 n.Chr. im Zusammenhang stehen. Die manufakturartige Anlage der Öfen, welche je Ladung rund 22 m³ Kalk fassten, spricht für eine Überschussproduktion, welche neben dem Eigengebrauch einen Handel mit gebranntem Kalk bezweckte.
Unmittelbar westlich der Öfen trat überraschend ein 8 × 10 m grosses Mithräum zutage. Stratigrafisch ist es jünger als die Öfen, absolut ist seine Errichtung erst mit der Fundauswertung zu präzisieren. Für den Bau wurde der Fels zurückgeschlagen, um den dreischiffigen Kultraum mit den charakteristischen seitlichen Podien (2-2.2 m breit) mit vorgeblendeten Steinmauern einzubauen. Die Aussenwände des Mithräums bestanden aus vermörtelten Sockelmauern, darauf sass wohl ein Holzaufbau. Weil Dachziegel fehlen, Nägel aber häufig sind, ist ein Schindeldach zu postulieren. Im Mittelgang wurden zahlreiche Fragmente des Kultbildes gefunden. Es dürfte Mithras leicht überlebensgross darstellen. Die Bildkomposition muss durch das Zusammensetzen eruiert werden. Im Mittelgang wurden mehrere, unterschiedlich grosse Altäre mit Weihungen für den unbesiegbaren Mithras geborgen (Abb. 28).
In der südwestlichen Ecke des ebenfalls dreischiffigen Vorraums fand sich ein verstürztes Geschirrdepot. Bislang nicht gefasst sind Kultgruben oder eine Umfriedung. Zahlreich sind Münzfunde (derzeit rund 250 Stück). Deutliche Anzeiger von Kult sind Kristalle, Tonkügelchen sowie viele Geflügelknochen und Ebereckzähne. Das Mithräum fiel gegen Ende des 4. Jh. einem Brand zum Opfer. Davon zeugen mächtige Brandschuttschichten im Mittelgang sowie Brandspuren an den Objekten.
Archäologische Funde: Keramik, Metallfunde, Münzen, Glas, Steinplastik.
Faunistisches Material: zahlreiche Tierknochen, unbearbeitet.
Probenentnahmen: Mikromorphologie, Archäobiologie, C14, Dendrochronologie, Mörtel, Stein, meist unbearbeitet.
Sonstiges: Inschriften, unbearbeitet.
Datierung: archäologisch; numismatisch. 1.-4. Jh. n.Chr.
KA SG, R. Ackermann, H. Flück und S. Lo Russo.
Rapperswil-Jona SG, Kempraten, Zürcherstrasse 131
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Detail des Fundberichts
Gemeinde
Rapperswil-Jona
Kanton
SG
Ort
Kempraten, Zürcherstrasse 131
Koordinaten
E 2704180, N 1232710
Höhe
408 m
Signatur Fundstelle Kanton
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Signatur Ereignis Kanton
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Neue Fundstelle
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Probenentnahmen
Holz/Holzkohle, Botanische Reste, Archäobiologische Schlämmproben, Geoarchäologische Sedimentproben
Analysen
¹⁴C, Dendrochronologie, Mikromorphologie
Datum der Fundmeldung
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Oberfläche (m²)
1100 m2
Datum Beginn
17 Juni 2015
Datum Ende
29 Februar 2016
Datierungsmethoden
¹⁴C, Dendrochronologisch, Numismatisch, Archäologisch
Publikationsjahr
2016
Epoche
Römische Epoche, Mittelalter
Art der Fundstelle
Siedlung
Art der Untersuchung
Ausgrabung (Rettungsgrabung)
Archäologische Funde
Keramik, Metall, Metall (Münze(n)/Medaillen), Glas, Stein
Knochen
vereinzelte tierische Knochen
Botanische Funde
Holz/Holzkohle
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