Westlich von Bern, im Gebiet des grossräumig angelegten römischen Gebäudekomplexes in Bümpliz, konnte im Zusammenhang mit einem umfangreichen Umbauprojekt für eine generationenübergreifende Wohnsiedlung eine grössere und auch zusammenhängende Fläche zur bekannten Fundstelle archäologisch untersucht werden. Die untersuchte Fläche (Neubau) liegt im sogenannten Baumgarten-Areal und schliesst an bereits in den 1970er Jahren untersuchte Bereiche an. In den Altgrabungen wurden in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Bodeneingriffen keine Mauerbefunde dokumentiert und wir erhofften uns neue Hinweise zum Verständnis des römischen Gebäudekomplexes.
Bereits während des baubegleitenden Baggerabtrags konnte eine flächig auftretende Konzentration von Mittel- bis Grobkies erfasst werden. Bei der darauffolgenden Freilegung liess sich diese Schicht durch das Fundmaterial und die stratigrafische Abfolge eindeutig der römischen Epoche zuordnen. Die erfasste Gesamtausdehnung dieser grobkiesigen Planie betrug ca. 10.25 × 8.80 m. Die West- und Ostbegrenzung verliefen auffällig geradlinig, die nördliche Begrenzung schien von modernen Eingriffen gestört. Leider konnte der südliche Teil der grobkiesigen Schicht nicht untersucht werden, da er ausserhalb der Baugrube liegt. Mit einem ergänzenden Schnitt wurde die südliche Ausdehnung zwar erfasst, es konnten dabei jedoch keine zusätzlichen Erkenntnisse gewonnen werden. Der auf zwei Seiten dokumentierte gradlinige Abschluss des Befundes legt eine Interpretation als konstruktives Element eines Gebäudes nahe. Das Fehlen von zugehörigen Pfostengruben oder anderen Indizien lassen dennoch keine konkrete Interpretation zum Zweck des künstlich eingebrachten Materials zu. Vorstellbar wäre auch eine Interpretation als Steinrollierung eines gepflästerten Platzes, denn die grobkiesige Planie liegt inmitten des vermuteten Innenhofs der römischen Villa.
Aus dem beschriebenen Hauptbefund konnte eine grössere Anzahl von Funden geborgen werden. Unter anderem sind dies mehrere grössere Fragmente eines Lavezgefässes und Münzen, welche eine Nutzung bis in die Spätantike nahelegen. Die geborgenen Münzen datieren alle ins 4. Jh., wie die um 340 n. Chr. geprägte Münze von Konstantin des Grossen oder Konstantin II. Das Keramikensemble weist zudem auf eine kontinuierliche Nutzung ab dem 2 Jh. und bis in die Spätantike.
Die untersuchte Fläche wurde aber vor und nach der römischen Epoche genutzt. Dies belegen unter anderem eine prähistorische Grube, deren Einfüllung in die Bronzezeit datiert (BE-23 654, 3443±25 BP, 1879–1641 BC, cal. 2 sigma), eine neuzeitliche Darrgrube (BE-23 656, 135±24 BP, 1675–1942 AD, cal. 2 sigma) und ein neuzeitliches Tierskelett.
