Im Rahmen der Prospektion der Strandplatte und des schon länger bekannten Steinbergs vor dem Unteren Freudenberg konzentrierten sich die Taucharbeiten der ehrenamtlich arbeitenden Gruppe «Archäologische Tauchprospektionen» (ATP) im Frühjahr 2022 zunächst auf eine archäologisch noch nicht näher in Erscheinung getretene Untiefe, die den ausgedehnten Flachwasserbereich nach Süden hin abschliesst. Sie trägt im Ostteil ebenfalls eine Steinkonzentration, das Steinmaterial gleicht dabei weitgehend dem der bekannten Steinberge. Die rückenartig längliche Form der Steinschüttung allerdings weicht vom bekannten Bild ab. Zwischen den meist einlagig und lückig liegenden Steinen ragen zahlreiche Pfähle aus dem Grund – die Pfahlköpfe zeigen häufig Brüche, sie werden bei sommerlichem Niedrigwasser offenbar von Booten oder Paddlern beschädigt.
Um die Zeitstellung des Pfahlfelds abzuklären, wurden 2023 und 2024 insgesamt 10 Pfähle teils auf dem Pfahlrücken, teils mehr an dessen Flanken, beprobt (Abb. 1). Drei der Datierungen fallen in die Übergangszeit vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit. Diese stammen alle eher aus dem Randbereich des Pfahlfelds und dürften als Reste von Fischereiinfrastruktur anzusprechen sein. Die Datierungsergebnisse der sieben weiteren Pfahlproben aus dem Bereich der steinüberdeckten Kuppe der Untiefe überlappen sich ebenfalls stark – sie sind jedoch rund 5000 Jahre älter und fallen mehrheitlich in das 36. und 35. vorchristliche Jahrhundert! Aus dieser Zeit, dem Übergang vom Jung- zum Spätneolithikum bzw. von der Pfyner zur Horgener Zeit, sind insgesamt nur sehr wenige Pfahlbaufundstellen bekannt. Eine davon allerdings liegt nur wenige hundert Meter weiter südlich, in der Nähe der Badi Zweieren.
Um festzustellen, ob noch prähistorische Kulturschichtreste erhalten sind, wurden zusätzlich sieben Bohrstocksondagen auf der Kuppe und entlang der föhnabgewandten Nordseite der Untiefe niedergebracht. In den 2 cm starken und bis zu 1.5 m langen Bohrkernen wurden allerdings lediglich seekreidige Sedimente aufgeschlossen, etwaige Kulturschichten scheinen aberodiert zu sein. Dazu passt der Fund einer mit 13,5 cm Länge recht grossen Steinbeilklinge mit vierkantigem Querschnitt (Abb. 2) sowie einer Keramikscherbe: Beide Funde lagen offen und ohne Schichtkontext am Seegrund, ihre Zeitstellung dürfte der des prähistorischen Pfahlfeldes entsprechen. Weiteres, überwiegend mit dem Metalldetektor geortetes Fundmaterial ist grösstenteils modern, lediglich ein Sichelfragment dürfte ins Mittelalter oder die frühe Neuzeit datieren.
Ausserdem befinden sich im Bereich der Untiefe zwei der bereits aus dem Bereich des Seeufers in der Gemeinde Cham bekannten Weisstannenstrünke. Der eine liegt exakt mittig zwischen dem Steinberg und der rückenartig lang gezogenen Steinkonzentration und trägt seit 1993 ein Rohr, das eine Frauenskulptur, die «Weinende» als Markierung der Durchfahrt, trägt. Eine Probe des Stammes ergab eine 14C-Datierung zwischen 3951 und 3796 v. Chr. (vgl. Abb. 1). Der andere befindet sich ca. 35 m südwestlich, seine Datierung liegt um 3700 v. Chr. Damit passen beide Strünke sehr gut zur jüngeren Phase der Strünke vor dem Chamer Ufer.
Zusätzlich konnte die Fundstelle im Spätherbst 2024 in Zusammenarbeit mit dem Geowissenschaftlichen Institut der Universität Kopenhagen noch mittels hochauflösender Reflexionsseismik erkundet werden; diese Methode soll vor allem Hinweise auf den geologischen Aufbau des Seegrundes liefern und wurde in den Flachwasserzonen von Cham und Risch erprobt. Die ersten, noch kursorischen Auswertungen der gewonnenen Daten zeigen, dass die Steinberge in den seismischen Daten sehr gut sichtbar sind. Zudem ist auch deutlich zu erkennen, wo Steine allenfalls noch vom Schlick des Seebodens überdeckt sind (Abb. 3). Grundsätzlich ermöglicht die hochauflösende seismische Prospektion also eine zuverlässige Entdeckung von Steinkonzentrationen, die an den meisten Stellen des Zugersees einen Hinweis auf einen menschlichen Eingriff darstellen. Derzeit werden die Daten noch detaillierter ausgewertet, um festzustellen, ob genauere Aussagen über den Schichtaufbau der prospektierten Untiefen möglich sind und ob beispielsweise Pfähle oder die bereits bekannten Baumstrünke in den Daten sichtbar sind.
