LK 1031678 000/288 550. Höhe 470 m.
Datum der Grabung: 17.7.-25.11.2000.
Bibliographie zur Fundstelle: JbSGUF 72, 1989, 334; 79, 1996, 266.
Geplante Notgrabung (Bauvorhaben) Grösse der Grabung ca. 800 m².
Siedlung. Streifenhäuser.
Eine geplante Werkhallenerweiterung der Firma Sternplastic GmbH führte in der letzten freien Parzelle in der Flur «Z'underst Wyler» zur flächenmässig grössten Ausgrabung im römischen Vicus seit der Thermengrabung von 1975. Dabei wurden die Grundrisse mehrerer «Streifenhäuser» teilweise ergraben (Abb. 26), von denen einige durch Altgrabungen der Jahre 1871 und 1902/03 sowie drei landwirtschaftliche Silos beeinträchtigt waren. Die Fläche ergänzt die Befunde der südlich gelegenen, bereits in den Jahren 1988 und 1995 untersuchten Parzellen.
In einer ersten Stufe im letzten Drittel des 1. Jh. n. Chr. beschränkte sich die römische Bebauung noch auf die östliche Grabungshälfte. Das Gelände wurde zum Teil mit grossen Steinblöcken abschnittsweise terrassiert. Etwa gleichzeitig scheint das Ufer des westlich vorbeifliessenden Zwärenbachs (dessen Verlauf gegenüber dem heutigen Bachbett rund 40 m weiter östlich lag) mit einer Bachverbauung aus Kalksteinquadern teilweise gesichert worden zu sein. Im Weiteren wurden nun 3-5 «Streifenhäuser» in Holz/Lehmbauweise errichtet, als Schwellbalken/Ständer-Konstruktionen, mit Lehm- oder Bohlenwänden. Die annähernd quadratischen Bauten mit Seitenlängen von 10-13 m sind mehrphasig und standen am nördlichen Dorfeingang entlang der Vicus-Hauptstrasse aufgereiht (zugleich die Strasse von Vindonissa/Windisch nach Arae Flaviae/Rottweil), jeweils mit der östlichen Schmalseite zur Strasse hin orientiert (wobei dieser Bereich der Häuser unter der modernen Strasse liegt, was die Untersuchung verunmöglichte).
Wohl schon im Zusammenhang mit dieser ersten Bebauung begann man, den Zwärenbach durch mächtige Planien (vielleicht auch durch das Anlegen eines neuen Bachbettes) mehr und mehr nach Westen abzudrängen, um damit neues Bauland zu gewinnen. Gegen Norden wurde zudem ein östlicher Zufluss einplaniert und darauf ein 6.5 m breiter und etwa 8 m langer Pfostenbau mit Schwellriegeln errichtet, dem später gegen den Bach hin ein weiterer Pfostenbau mit gleicher Breite und 5 m Länge vorgelagert wurde. Genauso wurden die älteren Holzbauten auf Schwellbalken nach Westen gegen den Bach hin erweitert.
Im 2. Jh. n. Chr. wurden die reinen Holzbauten schrittweise durch solche auf Steinsockeln ersetzt. Die drei neuen Gebäude waren 7, 10 und 13 m breit und 17-20 m lang. Sie behielten sowohl Ausrichtung als auch Baufluchten der Vorgängerbauten weitgehend bei. Allerdings wurden sie nochmals um rund 2 m nach Westen verlängert, wo der nun umgeleitete Zwärenbach kein Hindernis mehr darstellte. Die unterschiedlichen Mauercharaktere zeigen, dass man die Bauten nicht alle gleichzeitig errichtet hat, die genauere Abfolge ist aber vorderhand noch nicht sicher festzulegen. Um die Häuser dem von Osten nach Westen fallenden Gelände anzupassen, kamen die Böden der westlichen, strassenabgewandten Räume gegenüber den vorderen um rund 0.5-1.5 m tiefer zu liegen. Ihre teilweise Eintiefung (ablesbar sowohl am Terrain als auch am teilweise vorhandenen, im Aufgehenden noch bis zu 1.5 m hoch erhaltenen, einhäuptigen Mauerwerk) weist sie als Keller aus, die wohl über (Holz-) Treppen/Leitern zu erreichen waren. Nur beim mittleren Bau besass der Rückraum eine Türe in der Westwand, die über einen eingetieften Gang mit Treppe zugänglich war. Alle diese jüngeren Häuser mit Steinsockel wurden mehrfach umgebaut, so wurde beispielsweise beim mittleren Bau der Rückraum zu einem späteren Zeitpunkt zweigeteilt, beidseits eines sehr schön gepflästerten Ganges.
Massive Mauersenkungen und Schichtverwerfungen im aufgefüllten Bereich machen deutlich, dass die römischen Bauleute mit dem instabil gewordenen Baugrund zu kämpfen hatten. Mindestens in einem Fall kam es zum Einsturz des Gebäudes. Weitere Probleme entstanden durch Hangwasser, verstärkt vielleicht durch Staunässe im Bereich der Planieschichten. Durch kleine, aus losen Kalksteinplatten gefügte Kanäle, die von den Gebäudeecken gegen den Bach hin führten, entwässerte man deshalb die Mauerfundamente von Anfang an. Mehrfach wurden in der Folge die Böden in den kellerartigen Räumen angehoben, mitunter auch die Drainagekanäle erneuert und im südlichen Gebäude in der jüngsten Bauphase sogar durch den ganzen Raum geführt. Dort, ausserhalb der Gebäudeecke, legten wir neben einer Grube unklarer Funktion einen kleinen Sodbrunnen mit einem Durchmesser von 70 cm frei, der sich nach seinem Ausräumen sofort mit klarem Wasser füllte. Brandschichten in zwei dieser rückseitigen Räume und einige fast ganz gebliebene Gefässe machen deutlich, dass am Ende der Nutzung eine Feuersbrunst wütete.
Die Bauten dürften nach einer ersten Durchsicht des Fundmaterials teilweise mindestens bis zum Ende des 2. Jh. benutzt worden sein.
Funde: Keramik, Glas und Glasperlen, Kleinfunde aus Eisen und Bronze, Münzen (noch unbestimmt), Ziegel, Tierknochen.
Probenentnahmen: archäobotanische Proben, Erdproben (in der KASH).
Datierung: archäologisch. Letztes Drittel 1. und 2. Jh. n. Chr.
Schleitheim SH, Z'underst Wyler, Vicus IVLIOMAGVS
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Détail de la chronique
Commune
Schleitheim
Canton
SH
Lieu-dit
Z'underst Wyler, Vicus IVLIOMAGVS
Coordonnées
E 2678000, N 1288550
Altitude
470 m
Numéro de site cantonal
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Numéro d'intervention cantonal
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Nouveau site
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Prélèvements
restes botaniques, échantillons de sédiments géoarchéologiques
Analyses
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Date de la découverte
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Surface (m²)
800 m2
Date de début
17 juillet 2000
Date de fin
25 novembre 2000
Méthode de datation
archéologique
Année de publication
2001
Époques
Époque romaine
Type de site
habitat
Type d'intervention
fouille (fouille de sauvetage/préventive)
Mobilier archéologique
céramique, verre, métal, métal (monnaies/médailles), céramique (élément architectural), matériel organique
Os
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Matériel botanique
autres
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