LK 1072, 697055 / 261536. Höhe 440 m. Datum der Grabung: 12.12.2005-24.2.2006. Neue Fundstelle. Ungeplante Notgrabung (Neubau), Größe der Grabung 52 m² Uferverbauung. Werkplatz (?).

Auf einem wenig südlich der Altstadt gelegenen, bisher durch eine Tankstelle und Garage genutzten Areal entlang der heute kanalisierten Eulach wurden vor den Abbruch- und Aushubarbeiten für einen großen Geschäftshauskomplex vier Sondierschnitte angelegt, da aufgrund der schriftlichen und bildlichen Überlieferung Überreste spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Gewerbebauten zu vermuten waren. Solche waren allerdings nur noch in geringen Resten anzutreffen, weshalb auf eine eingehendere Untersuchung verzichtet wurde. Die stratigraphischen Aufschlüsse und die frühmittelalterlichen Funde machten einen zwischen der Eulach und dem Hangfuß des Heiligbergs angelegten Sondierschnitt nötig, der zu einer Flächengrabung erweitert wurde. Dabei kamen über Schwemmschichten, von denen die unterste wenig prähistorische Keramik enthielt, die Reste einer Uferverbauung (abwechselnd Spältlinge und Bretter) zum Vorschein (Abb. 40). Hangseitig schloss eine Schicht an, an deren Oberfläche zahlreiche Hölzer geborgen wurden. Die Proben enthalten zudem reichhaltiges botanisches Material. Bei den Holzfunden handelt es sich u.a. um bearbeitete Stücke (darunter 1 Spindel) und Abfälle (Bestimmungen: Werner H. Schoch, Labor für quartäre Hölzer, Langnau a.A.). Die Resultate der dendrochronologischen Untersuchungen (ältestes Fälldatum mit Splint 527 n. Chr.) sind noch genauer zu analysieren (Analysen: Amt für Städtebau der Stadt Zürich, Labor für Dendrochronologie). Von großem Interesse sind die botanischen Proben, die gemäß Voruntersuchung u.a. bisher unbestimmte Fasern, Getreidereste, Samen und Kapselsegmente von Lein, Sammelpflanzen sowie zahlreiche Samen und Früchte von Wildpflanzen mit Grünland- und Ruderalstandorten enthalten (Bestimmungen: Marlu Kühn, IPNA Basel). Der Befund dürfte als Werkplatz am Ufer der Eulach zu interpretieren sein, wobei neben der Holzverarbeitung auch das Rösten von Lein in Erwägung zu ziehen ist. Darüber folgen fundreiche Schichten mit Keramik des 6./7. Jh., einem tauschierten Beschlag aus der 1. H. 7. Jh., einem Pyramidenknopf aus Bein, zwei bronzenen Nadeln u.a.

Probenentnahmen: Dendroproben, C14, Archäobiologie, Pollen. Datierung: dendrochronologisch. 2. Viertel bis Mitte 6. Jh. - Archäologisch. 6./7. Jh. (archäologisch). Prähistorische und römische Funde. KA ZH, R. Windler.