Das neue Zeughaus in Affoltern am Albis wurde am 11. September 1986 eingeweiht. Nach der Aufgabe der Anlage durch das Militär in den 1990er-Jahren wurden die Gebäude in den Jahren 2005–2007 umgebaut und als Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums in Betrieb genommen. In den kommenden Jahren soll der bestehende Baukomplex nach Süden erweitert werden. Dabei sind Bodeneingriffe auf einer Fläche von mindestens 7300 m² geplant. Unmittelbar westlich der Parzelle wurde im Jahr 1998 eine frühbronzezeitliche Grube untersucht. Rund 150 m östlich des Geländes befindet sich ein römischer Gutshof. Die Kantonsarchäologie sondierte daher den Projektperimeter Ende März 2023 mit insgesamt 25 Baggerschnitten.

Das Gelände liegt in sanfter Hanglage, fällt nach Westen sowie Süden ab und wird gegen die Muristrasse hin flacher. Der geologische Untergrund formt gegen die Mitte und im Norden des Projektperimeters eine Senke, die im Laufe der Zeit durch Bachablagerungen und Kolluvien aufgefüllt wurde.

Mittig und im Südosten des Projektperimeters liegt unterhalb der modernen Störungen und Kolluvien ein prähistorischer Anthrosol, in den eine stark holzkohlehaltige, spätneolithisch datierte Grube (vgl. BE–20995.1.1 und BE–20996.1.1.) eingetieft ist. Zudem wurde in 1.8 m Tiefe eine 30 cm breite Steinreihe angeschnitten, die aufgrund einer C14-Datierung gegenwärtig als mittel- bis spätlatènezeitlich eingestuft wird (vgl. BE-20997.1.1.).

Von Juni bis August 2024 wurde das Areal um die angeschnittenen Befunde in einer 35 x 30 m grossen Flächengrabung weiter untersucht. Im östlichen Drittel der Grabungsfläche kamen beim Feinabtrag 22 gesicherte sowie 17 mutmassliche Pfostenlöcher zum Vorschein. Die mehrheitlich in den prähistorischen Anthrosol eingetieften Strukturen sind von runder bis ovaler Form bei einer erhaltenen Tiefe von 25–95 cm und weisen zu grossen Teilen ein spitz zulaufendes Ende auf. Sechs 14C-Daten von Holzkohlen aus ihren Verfüllungen datieren in den Zeitraum vom Spätneolithikum (spätes Horgen) bis in die Mittelbronzezeit (vgl. BE-23481.1.1–BE-23487.1.1). Gegenwärtig lässt sich anhand der Pfostenverteilung kein spezifischer Grundriss ablesen. Als einziger Fund wurde eine Silexklinge geborgen.

Im mittleren und westlichen Abschnitt der Grabungsfläche zeigte sich, dass die angeschnittene Steinreihe zu einer 22 m langen, maximal 2.2 m breiten Steinpackung gehört, die bogenförmig gegen den Hang hin verläuft. Sie besteht aus drei zusammenhängenden, unterschiedlich dichten Steinkonzentrationen. Die Packung wird hangabwärts von bis zu 60 cm grossen Blockgeröllen begrenzt. An diese schüttete man hangaufwärts kleinere Gerölle und Kiesel an. Am Nordrand ist eine quadratische 24 x 24 cm grosse frührömische Holzkohlekonzentration in die Packung eingetieft, die auf einen Pfostenrest hinweisen könnte (vgl. BE-24248.1.1). Hier fanden sich in den Steinzwischenräumen schlecht erhaltene prähistorische Keramikfragmente, unter anderem zwei Wandscherben mit Kammstrichdekor (LT D). Die bogenförmige Steinpackung diente vermutlich der Terrainstabilisierung.

Im Nordwesten stossen zwei 40 bis 50 cm breite Drainagekanäle an die Packung, die aus senkrecht gesetzten Wangen- und horizontal verlegten Decksteinen bestehen. Die 14C-Daten der Holzkohleproben aus den ansonsten fundleeren Drainagen weisen ins 4. Jh. v. Chr. und in die Zeit von 156 v.–64 n. Chr. (vgl. BE-24249.1.1. und 24250.1.1).

Die Untersuchungen sollen 2025 fortgesetzt werden.