Auf dem Schwemmfächer des Lochbachs in Gränichen, südlich von Aarau, fanden 2015-2017 auf 10 000 m2 Ausgrabungen statt, die anschliessend an der Universität Basel und durch die Kantonsarchäologie Aargau ausgewertet wurden. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Siedlungsspuren der Mittel- bis frühen Spätbronzezeit. Bei diesen kann eine ältere (BzB/C1) und eine jüngere (BzC2/D1) Phase unterschieden werden. Die Befunde dieser Siedlungsphasen bezogen sich auf einen grossflächig erhaltenen, durch jüngere Sedimente überdeckten alten Oberboden. Auf dessen Oberfläche hatte es einen mehr oder weniger dichten Fundniederschlag, vor allem Keramikfragmente und Hitzesteine.
Jüngere Nutzungsphasen umfassten ein ausgedehntes System von Gräben und flachen Rinnen, sowie Spuren von Eisenverarbeitung. Auf dem grössten Teil der Grabungsfläche von 2015-17 beziehen sich auch diese jüngeren Phasen auf das bronzezeitliche Niveau. Eine Teilfläche im Süden scheint hingegen zwischen (frühestens) der Ende Bronzezeit und (spätestens) dem Mittelalter durch ein Kolluvium überdeckt worden zu sein. Dieses stammte vermutlich vom Hang des Chilehübels am Südrand des Lochbach-Tals.
2025 wurde eine weitere Fläche ausgegraben. Sie schliesst im Südosten an das 2015-17 ausgegrabene Areal an. Die knapp 2500 m2 grosse Parzelle, auf der bisher nur ein einzelnes Wohnhaus gestanden hatte, wurde vollständig überbaut. Auf 1600 m2 konnten ungestörte ur- und frühgeschichtliche Befunde archäologisch untersucht werden.
Die oben für den Südrand der Grabung von 2015-17 umrissene Befundsituation setzte sich hier fort. Der alte Oberboden, der sich im Verlauf des Holozäns auf dem anstehenden Schwemmfächersediment ausgebildet hatte, konnte überall aufgedeckt werden. An seiner Oberfläche lag der erwartete Fundniederschlag aus der Bronzezeit, vor allem Bz C bis D1. Dieses seit dem frühen Holozän stabile Niveau wurde durch ein Kolluvium überdeckt, das sich farblich kaum vom überdeckten Oberboden unterschied, in seiner Bodenentwicklung aber weniger fortgeschritten war.
Ein knapp 2 m breiter und 0.60 m tiefer Spitzgraben war in dieses jüngere Kolluvium eingetieft. Er durchquerte die Fläche ungefähr von Südosten nach Nordwesten (Abb. 1, Abb. 4.1) und setzt sich in der Grabungsfläche von 2015-17 fort. Vermutlich handelte es sich um einen Entwässerungsgraben. Zuunterst enthielt er eine dunklere, organischere Verfüllung, in der sich regelmässig kleinteilige, vermutlich sekundär verlagerte Scherben von prähistorischer Keramik fanden. Die darüberliegende, deutlich hellere Verfüllung enthielt hingegen fast keine Funde. Wenige Eisenobjekte, darunter ein Schuhnagel, lassen aber annehmen, dass der Graben frühestens in römischer Zeit vollständig verfüllt wurde. Er könnte im Zusammenhang mit der 500 m entfernten römischen Villa von Gränichen-Muracher stehen. Da sicher datierbare Funde fehlen, ist aber auch eine mittelalterliche Datierung nicht ganz auszuschliessen. Um diese Frage zu klären, wurden Lumineszenzdatierungen in Auftrag gegeben.
Wahrscheinlich bildete das jüngere Kolluvium, in das der Graben eingetieft war, noch bis ins Mittelalter die Geländeoberfläche. Auf seine Oberkante bezogen sich nämlich auch noch Steindrainagen und Reste von Wasserleitungen mit eisernen Verbindungsringen, die kaum älter als spätmittelalterlich sein dürften, und die teils in die Verfüllung des Spitzgrabens eingetieft waren (Abb. 1).
Zu verstärkter Erosion dürfte es im Einzugsbereich des Lochbachs dann wieder im Verlauf der frühen Neuzeit gekommen sein. Sie zeigt sich in der Ablagerung eines zweiten, etwa einen halben Meter dicken, hellbraunen und sehr homogenen Kolluviums. Auf diesem bildete sich schliesslich der heutige Oberboden.
Spuren spätbronzezeitlicher Geländenutzung wurden hauptsächlich im Süden der Grabungsfläche von 2025 erfasst. Hier verläuft etwa von Südwest nach Nordost ein teils lückenhafter, 1.50 bis 2 m breiter Streifen aus flachen Kies- und Hitzestein-Konzentrationen (Abb. 4.3). Stellenweise waren darin grössere Mengen spätbronzezeitliche (HaA/B) Keramik enthalten. Die wechselnde Beschaffenheit und Mächtigkeit der einzelnen Abschnitte lassen annehmen, dass man hier sukzessive den Untergrund ausgleichen wollte, entweder um einen Weg zu befestigen oder um eine natürliche Rinne zu verfüllen. Eine mit Steinen und wenig Keramik verfüllte flache Rinne wurde auch bei der Grabung 2015-17 am Südrand der damaligen Grabung angetroffen und könnte die Fortsetzung der oben genannten Struktur bilden. Mehrere flache und annähernd rechteckige Gruben dürften ebenfalls spätbronzezeitlich datieren. Die Funktion dieser Befunde ist unklar. Auffällig ist, dass sie teils in Reihen oder rechtwinklig zueinander lagen (Abb. 4.4).
Der älteren bronzezeitlichen Besiedlung (Bz C/D1) ist vor allem eine ca. 2.3 x 1.7 m grosse und 0.25 m tiefe Grube mit Hitzesteinpackung zuzuordnen (Abb. 4.5). Unter der Steinpackung lag holzkohlehaltiger Lehm. Die Grube kann als Brandgrube angesprochen werden, wie sie für mittelbronzezeitliche Siedlungen typisch sind. Aus der Steinpackung stammt, neben einiger Gefässkeramik, eine gut erhaltene, 6 cm lange bronzene Tüllenpfeilspitze mit Widerhaken (Abb. 2).
Mittelbronzezeitliche Brandgruben mit Hitzesteinen liegen stets ausserhalb und meist ein Stück abseits der Hausstandorte. Daher ist zu vermuten, dass die Pfostenbauten, deren Spuren sich direkt neben der Brandgrube fanden (Abb. 4.6), nicht zeitgleich mit der Brandgrube bestanden hatten. Die Pfostenlöcher sind in mehreren Reihen angeordnet. Eindeutige Hausgrundrisse lassen sich aber nicht rekonstruieren.
In Gränichen-Lochweg zeichnen sich Pfostenlöcher und Grubenbefunde meist erst im helleren, gewachsenen Unterboden ab. Nur Befunde, die auffällig viel Keramik, Holzkohle oder Steine enthalten, lassen sich bereits an der Oberfläche des begrabenen, alten Oberbodens erkennen. Fundleere Gruben und Pfostenlöcher können dagegen nur dann erfasst werden, wenn sie tief genug in den helleren Unterboden reichen.
Das gilt auch für eine Reihe von 5 Pfostengruben im Osten der Grabungsfläche (Abb. 4.7). Sie lagen jeweils 4.5 bis 5 m auseinander und waren vergleichsweise tief eingegraben. Ein sechster Pfosten liegt in der gleichen Flucht, aber 10 m weiter. Sofern sie tatsächlich Teil eines Gebäudegrundrisses sind, wäre dieser mit mindestens 20 bis 30 m Länge ungewöhnlich gross für die Mittelbronzezeit. Es könnte sich aber um die Firstreihe eines Langhauses handeln, wie sie aus frühbronzezeitlichen Landsiedlungen in Süddeutschland und im Elsass bekannt sind. Firstpfosten-Reihen mit Abständen von etwa 5 m und einzelne Lücken von ca. 10 m sind typisch für diese Gebäude, sodass auch die Pfostenreihe aus Gränichen zu so einem Bau gehört haben könnte. Einige umliegende, weniger tief eingegrabene Pfosten wären dann die letzten Spuren der Seitenwände bzw. Mittelpfettenkonstruktion. Einen frühbronzezeitlichen Datierungsansatz unterstützen auch einzelne Keramikscherben, darunter Teile eines Topfes mit hohem konkavem Oberteil und unterrandständiger Leiste. (Abb. 3). Diese Form steht in endneolithischer Tradition und ist in frühbronzezeitlichen Ufersiedlungen noch häufig anzutreffen. Auch Silexartefakte, die sich in diesem Teil der Grabungsfläche vermehrt fanden, sprechen für eine vor-mittelbronzezeitliche Datierung. Dass es in Gränichen-Lochgasse glockenbecherzeitliche und frühbronzezeitliche Nutzungsphasen gibt, hatten bereits einige Funde und Datierungen der Grabung 2015-17 gezeigt. 14C-Daten aus den Verfüllungen der 2025 entdeckten Pfostengruben bestätigen einen frühen Ansatz: BE-26266.1.1: 3876±22 BP (2462-2239 v. Chr.), BE-26267.1.1: 3064±62 BP (1490-1126 v. Chr.), BE-26271.1.1: 3833±41 BP (2457-2148 v. Chr.). Das jüngste Datum steht sicher im Zusammenhang mit der mittelbronzezeitlichen Haupt-Nutzungsphase des Platzes. Es stammt aus dem Pfostenloch am nördlichen Ende der Reihe. In diesem Pfostenloch lag auch eine Steinbeil-Klinge. Möglicherweise handelt es sich bei dem 14C-datierten Material um einen jüngeren Eintrag, etwa durch einen Tiergang. Die beiden anderen Daten sprechen für eine Datierung ganz ans Ende des Neolithikums oder den Beginn der Frühbronzezeit.
Auf dem Schwemmfächer des Lochbachs in Gränichen sind bereits die nächsten baubegleitenden Einsätze der Kantonsarchäologie in Vorbereitung. Sie werden es erlauben, das bereits recht umfangreiche Gesamtbild weiter zu ergänzen.
