Mit dem STEP Ausbauschritt 2030/35-Projekt «Mehrspur Zürich-Winterthur (Brüttenertunnel)» soll der Kapazitätsengpass im Bahnverkehr zwischen Zürich und Winterthur behoben werden. Kernstück des Projekts ist der rund 8 km lange Brüttenertunnel, der mit drei Verknüpfungsbauwerken an das bestehende Netz angeschlossen wird. Die derzeitige Infrastruktur in Winterthur, Bassersdorf, Dietlikon und Wallisellen muss zur Kapazitätssteigerung ausgebaut werden. Zusätzlich sind Massnahmen wie Installationsplätze, Materialdepots und Renaturierungen vorgesehen. Teilweise werden auch Anpassungen an Gelände, Strassen und Wegen vorgenommen. Da die tangierten Flächen in Arealen mit hohem archäologischem Potential liegen, führt die Kantonsarchäologie Zürich seit 2024 archäologische Baggersondierungen durch. Bis Ende 2025 wurden 795 Sondierschnitte angelegt. Aus den Sondierungen resultierten verschiedene Nachuntersuchungen.
In der Gemeinde Wangen-Brüttisellen wurden auf den Fluren Moswinkel und Nünbrunnen während der Sondierung u. a. ein Anthrosol, eine Brandrötung sowie mögliche Pfosten- oder Grubenbefunde dokumentiert. Diese wurden im Rahmen einer Grabung (Ereignis 2025.161) genauer untersucht. Auf der Flur Nünbrunnen wurde bei der Sondierung ein Anthrosol gefasst, der frühmittelalterliche C14-Daten (BE-24294.1.1, 1428 ± 25, 595–655 AD, cal. 2 σ; BE-25132.1.1, 1465 ± 21, 570–645 AD, cal. 2 σ) erbracht hat. Während der Grabung wurde unerwartet unterhalb davon eine Schicht aus Hitzesteinen mit zahlreichen Keramikscherben entdeckt. Es könnte sich dabei um Abfälle einer nahegelegenen Siedlung oder eines Werkplatzes handeln, die zur Befestigung des sehr feuchten Untergrunds an dieser Stelle abgelagert wurden. Eine erste Sichtung der Keramik legt eine typologische Einordnung in die Mittelbronzezeit nahe.
Bei der Sondierung der Flur Büel in der Gemeinde Wangen-Brüttisellen wurde direkt unter dem Humus ein Brandschüttungsgrab entdeckt. Die Grabgrube misst an der tiefsten Stelle 30 cm und enthält drei Gefässe, wovon eines mit Kremationsresten gefüllt ist. Zusätzlich sind kalzinierte Knochen auch neben der Urne anzutreffen. Als Beigaben sind neben den Keramikgefässen mehrere Metallobjekte zu nennen. Ein Fibelfuss datiert das Grab in die Spätlatènezeit. Weitere Untersuchungen im Bereich der Flur Büel sind für das Jahr 2026 geplant.
Auf der Flur Rietächer in der Gemeinde Bassersdorf wurde in einem Sondierschnitt eine graue Lehmschicht gefasst, die römische Leistenziegel, Metallfunde und Münzen enthält. Darunter folgte eine Geröllakkumulation, bei welcher es sich um einen Teil einer Strasse oder einer Untergrundsbefestigung handeln könnte. Der Befund soll im Jahr 2026 im Rahmen einer Nachuntersuchung weiter dokumentiert werden (Ereignis 2025.162).
Die heutige Tagelswangerstrasse in der Gemeinde Bassersdorf ist im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) als Verkehrsverbindung von lokaler Bedeutung mit historischem Verlauf erfasst (IVS ZH 600, Bassersdorf – Tagelswangen). In einem Sondierschnitt auf der Flur Untereigen kam ein parallel zur Strasse verlaufendes Kiesband zum Vorschein, das ein älteres Wegtrassee markieren dürfte. Entlang der Tagelswangerstrasse sind für das Jahr 2026 weitere Sondierschnitte geplant.
