Parallel zur geplanten Erneuerung der Rathausbrücke im Jahr 2026 wird im Rahmen eines Hochwasserschutzprojekts die Sohle der Limmat abgetieft. Eine spätere Abtiefung der Limmatsohle ist zudem im Bereich der Münsterbrücke geplant. Dieser Flussabschnitt liegt im historischen Stadtzentrum, das auf die späteisenzeitliche und römische Besiedlung des Lindenhofs zurückgeht. Für beide Flussabschnitte sind mittelalterliche Brücken belegt. Für die Rathausbrücke werden bis in die römische Zeit zurückreichende Vorläuferinnen postuliert. Aufgrund entsprechender Funde beim Rathaus ist auch an eisen- und bronzezeitliche Übergänge zu denken.

Die betroffenen Flussabschnitte wurden bereits im 19. Jh. ausgebaggert. Die archäologischen Reste der gesicherten und postulierten Brücken sind für die Stadtgeschichte so bedeutend, dass die Hochwasserschutzmassnahmen trotzdem archäologisch begleitet werden sollen. Um darauf vorbereitet zu sein, führte die Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich 2025 im Auftrag des Kantons Prospektionstauchgänge durch.

Im Bereich der Rathausbrücke waren die Taucher mit Schwierigkeiten wie starken Strömungen, prekären Lichtverhältnissen und der Funkabschattung von Vermessungsgeräten konfrontiert. Dennoch gelang es, neben und unter dem bestehenden Bauwerk rund 30 Pfähle aufzuspüren. Die Pfähle wurden mit einem Vermessungsnetz grob eingemessen und beprobt. Von etlichen harten Hölzern konnten keine Scheiben für die Dendrochronologie, sondern nur Späne für 14C-Datierungen geschnitten werden.

Teilweise in Dreiergruppen zusammenstehende, 20 cm dicke Pfähle aus Waldföhre dürften im Zusammenhang mit der Tetmajerbrücke stehen, der Vorgängerin der heutigen Rathausbrücke. Vier 20–30 cm dicke Eichenpfähle bildeten eine 2 m lange Reihe in Strömungsrichtung, die als Joch einer Holzbrücke interpretiert werden kann. Für einen dieser Pfähle wurde ein hoch- bis spätmittelalterliches 14C-Datum ermittelt (ETH-152880, 820 ± 15, 1215–1267 AD, cal. 2σ). In der Umgebung fanden sich weitere mächtige Pfähle aus Eiche und Buche, die vermutlich Brücken fundamentierten. Die Proben von zwei Eichen ergaben verschiedene spätmittelalterliche 14C-Datierungen (ETH-152879, 605 ± 15, 1305–1400 AD, cal. 2σ; ETH-152882, 455 ± 15, 1428–1455 AD, cal. 2σ). Ein bislang undatierter und nur partiell eingemessener Schwarm von dünneren Pfählen ist schwierig zu deuten. 

Die Prospektion bei der Münsterbrücke ergab vier 5–7 m lange, in Strömungsrichtung orientierte Reihen aus mindestens 20 cm dicken Eichenpfählen. Diese Brückenjoche decken sich gut mit dem auf dem sogenannten Müllerplan von 1794 dargestellten Übergang vom obersten Bogen des Helmhauses auf den Münsterhof. Eine Reihe ist sicher lückenhaft, zwei umfassen fünf bzw. sechs Pfähle; die vierte umfasst 13 Pfähle und ist mehrphasig. Dies zeigen eine hoch- bis spätmittelalterliche und eine spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche 14C-Datierungen (ETH-152877, 800 ± 15, 1222–1269 AD, cal. 2σ; ETH-152876, 375 ± 15, 1456–1623 AD, cal. 2σ). Aus zwei weiteren Jochen stammen praktisch identische spätmittelalterliche 14C-Datierungen (ETH-152873, 675 ± 15, 1281–1385 AD, cal. 2σ; ETH-152875, 625 ± 15, 1298–1396 AD, cal. 2σ). Gesondert ist auf einen dünnen Pfahl vor dem Weinplatz hinzuweisen, der eine spätantike bis frühmittelalterliche 14C-Datierung lieferte (ETH-152878, 1595 ± 15, 425–538 AD, cal. 2σ).

Sofern der Abfluss der Limmat Taucharbeiten zulässt, wird die Pfahlaufnahme Anfang 2026 im Hochwasserschutzperimeter bei der Rathausbrücke fortgesetzt.