Oberbalm wurde erstmals unter dem Namen Balmes im Jahr 1228 historisch erwähnt. Die Entdeckung einer archäologischen Fundstelle belegt nun, dass die Geschichte des Dorfes deutlich weiter zurückreicht. Anlässlich einer Aushubbegleitung wurden an der Hinterbergstrasse im Oktober 2025 prähistorische Scherben und hitzegesprengte Steine beobachtet. Bald folgten auf verschiedenen stratigraphischen Niveaus auch archäologische Strukturen. Diese Entdeckung führte zu einer Rettungsgrabung, die bis im Frühjahr 2026 dauerte. Das Ziel war, den grösstmöglichen Teil der Fläche zu dokumentieren, bevor sie durch die Erdarbeiten zerstört wurde (Abb. 1).

Im Rahmen der Ausgrabung wurden Pfostengruben mit und ohne Keilsteine (Abb. 2), Gruben und weitere Strukturen freigelegt. Sie bezeugen eine mehrphasige Nutzung und lieferten Holzkohlefragmente sowie vorwiegend prähistorische Keramikscherben. Eine Silexlamelle ist ebenfalls der prähistorischen Zeit zuzuweisen.

Einige Pfostengruben enthielten Fragmente römischer Leistenziegel, die als Keile oder Unterlagen dienten. Mehrere Fragmente von frühmittelalterlichen Lavezgefässen stammen aus einer Grube. Zudem konnten einige Metallobjekte geborgen werden. Der vollständige Grundriss eines Grubenhauses datiert ins Frühmittelalter (Abb. 3). Daraus stammen leider nur sehr wenige archäologische Objekte, vorwiegend verbrannte Knochensplitter.

Nach heutigem Wissen überlagern sich an dieser Fundstelle die Reste verschiedener Epochen von der Urgeschichte bis ins Mittelalter. Ihre Dokumentation soll erlauben, zumindest einen Teil der Grundrisse dieser frühen Besiedlungen zu rekonstruieren, die in den Bau des Dorfes Oberbalm mündeten. Die wissenschaftliche Auswertung wird Erkenntnisse über die Geschichte des Dorfes und die Lebensweise der Menschen liefern, die sich auf dieser Sonnenterrasse über dem Mittelland niederliessen.