Ein Verkehrsknotenpunkt unmittelbar nördlich der Altstadt Schaffhausen soll optimiert und das Areal aufgewertet werden. Die Kantonsarchäologie begleitet die umfangreichen Bodeneingriffe, da im gesamten Bauperimeter mit Befunden zu rechnen ist. Die zahlreichen bisher dokumentierten Aufschlüsse umfassen drei Themenbereiche: Die Stadtbefestigung aus dem Mittelalter, frühneuzeitliche Befestigungswerke und Baubefunde eines ehemaligen städtischen Quartiers.
Im Bereich der heutigen Bahnhofstrasse traf die Baggerschaufel mehrfach auf mächtige Grabenmauern. Sie werden einerseits der Stadtbefestigung mit einfachem Graben aus der Zeit um 1200 zugeordnet, andererseits einer erneuerten Befestigungsanlage mit innerem und äusserem Graben und dazwischenliegendem Rondenweg aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit dem Anschluss von Schaffhausen ans Eisenbahnnetz 1857 erfuhr das Areal eine komplette Umgestaltung und Umnutzung. Die Mauern wurden abgebrochen, die Gräben aufgefüllt.
Im 16. Jahrhundert wurde insbesondere die Nordseite der Stadtbefestigung, mit der sich hier befindlichen Ausfallstrasse verstärkt und ausgebaut. Dazu wurde 1537 in die Nordwestecke der Befestigungsanlage die Widder-Barbakane, eine Geschützplattform, eingefügt. Deren Grundmauern waren durch frühere Leitungsbauten massiv gestört. Dennoch gelang es, den kreisrunden Bau erstmals exakt einzumessen. 1607/08 wurde dem Schwabentor in der mittelalterlichen Stadtmauer ein Bollwerk vorgelagert. Davon fanden sich unter dem Asphalt das massive Mauerwerk eines Geschützturms von 12 Metern Durchmesser mit Nutzungsschichten und Binnenmauern sowie die Fundamente eines kleinen Turmes inklusive dazwischenliegender Mauer. Die partiell gefasste Kontermauer gibt die Breite des zugehörigen Grabens an, durch welchen das Wasser der Durach geleitet wurde, die als Gerberbach die Stadt im Osten umfloss.
In den 1860er Jahren brach man das Bollwerk ab und zusätzlich mehrere Häuser, die östlich an das Schwabentor anschlossen. Weitere Gebäude fielen um 1930 der Anlage der Bachstrasse zum Opfer, welche die Umfahrung der Altstadt im Osten ermöglichte. Bei der Erneuerung des Strassenbelages inklusive Kofferung traten nun die Gebäudegrundmauern wieder zutage. Dieses ehemalige Quartier ist bislang kaum archäologisch dokumentiert und es existieren nur wenige Ansichten oder Schriftquellen dazu. Umso relevanter war die Dokumentation der Baubefunde mit mittelalterlichen bis neuzeitlichen Nutzungs- und Gehhorizonten.
