Im Rahmen des Fernwärme-Ausbaus in der Stadt Schaffhausen wurde 2024 mit den ersten Etappen im Bereich der nordöstlichen Altstadt begonnen. Aufgrund der geplanten Eingriffe im gesamten Stadtgebiet werden die Arbeiten kontinuierlich archäologisch begleitet.
Während sich die jüngeren Bebauungsphasen anhand von historischen Stadtplänen aus dem 19. Jh. rekonstruieren lassen, erlaubten frühere Leitungsaufschlüsse eine Abschätzung der zu erwartenden Befunde. Durch die grossräumig geplante Öffnung der Strassenbereiche für Leitungsgräben und Hausanschlüsse können bereits bekannte Strukturen erneut ergänzt, vermessen und bei Bedarf neu beurteilt werden.
Die bisher begleiteten Grabungsarbeiten tangierten den ehemals östlichen Stadtrand mit Stadtmauern, zugehörigen Gräben und der innenliegenden Bebauung. In den Schwemmsedimenten zeigten sich diffuse vorstädtische Spuren in Form von Holzkohlebändern und einer Grube, die wenig prähistorische Keramik enthielt.
Am Übergang der Schützengraben-Gasse in die Bachstrasse wurden mehrere Mauerstrukturen freigelegt. In diesem Areal verlief die um 1200 errichtete Stadtmauer mit Graben und Kontermauer. Die heutigen Häuser im Schützengraben wurden auf die bis zu 1.5 m breite Stadtmauer aufgesetzt. Ebenfalls hat sich die Kontermauer, aus mächtigen Kalksteinquadern gemauert, in Teilbereichen erhalten (Abb. 1). Dazwischen lag ein Graben, von welchem noch der heutige Gassenname zeugt. Dieses Befestigungsensemble fungierte bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts als äussere Stadtgrenze, wurde jedoch im Zuge der Stadterweiterung nach Norden obsolet, denn mit dem Ausbau der äusseren Vorstadt wurde eine neue Stadtbefestigung angelegt. Spätestens Mitte des 15. Jahrhunderts wurde wiederum eine neue, allerdings weiter östlich verlaufende Befestigung errichtet; anhand der Stadtrechnungen wird dieses Ereignis auf 1443 bis 1445 datiert. Der Bereich bei der Bachstrasse wurde in diesem Zuge mit Abbruchschutt und Abfall verfüllt. Die neu gewonnene Fläche nutzte man für den Anbau von Gebäuden an die bestehenden Häuser und die Anlage eines grossen Latrinenschachtes. Die Latrine war mit einer Unmenge an neuzeitlicher Keramik und dem Abbruch mehrerer Kachelöfen verfüllt.
Bei den Untersuchungen im Bereich der Repfergasse konnten mehrere Befunde dokumentiert werden. Besonders hervorzuheben ist ein Abschnitt der Umfassungsmauer des ehemaligen Klosters St. Agnes, welche auf knapp 40 m Länge mit einzelnen Unterbrüchen verfolgt werden konnte (Abb. 2). Abgesehen davon wurde eine Mauer angetroffen, die an die Klostermauer anstösst und als Stadtmauer aus der Mitte des 15. Jahrhunderts erfasst wurde. Die Mauer war Teil der Stadtbefestigung von 1443–1445 und setzte sich auf der anderen Seite mit dem wenig später errichteten Pulverturm fort, von dem ebenfalls eine Ecke erfasst wurde. Nahe dieser Mauer wurden zudem drei neuzeitliche Gräber entdeckt (Abb. 3). Sie gehören zu einem Friedhof, welcher in der Mitte des 16. Jahrhunderts neu angelegt wurde. Sie könnten mit dem ins Kloster eingezogenen Spital oder dem nördlich davon liegenden Pestfriedhof in Zusammenhang stehen.
