Im Rahmen der Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage an der Vorderdorfstrasse in Otelfingen wurde eine archäologische Begleitung durchgeführt. Das betroffene Grundstück befindet sich an zentraler Lage im alten Dorfkern. In der Umgebung waren von früheren Ausgrabungen Befunde vom Neolithikum bis in die Frühe Neuzeit bekannt. Deshalb hat die Kantonsarchäologie im Herbst 2023 Baggersondierungen durchgeführt und aufgrund der vorgefundenen Befunde beschlossen, die gesamte Fläche des Bauvorhabens umfassend auszugraben.
Im Rahmen der rund eineinhalb Monate dauernden Grabung konnten diverse Befunde vom Mesolithikum bis zur Neuzeit erfasst werden. Die Holzkohlekonzentrationen aus den anstehenden Bachsedimenten und alten Bachläufen konnten mittels 14C-Datierung ins Frühmesolithikum zwischen 9500 und 8800 v. Chr. datiert werden (BE-23471.1.1, 9914 ±31, 9452-9288 calBC, cal. 2 sigma; BE-23474.1.1, 9670 ±31, 9249-8861 calBC, cal. 2 sigma). Hinweise auf anthropogene Aktivitäten konnten dabei jedoch keine festgestellt werden. Zwei vom übrigen Befund unabhängige Pfostenlöcher wurden im 5./6. Jahrhundert n. Chr. verfüllt (BE-23467.1.1, 1564 ±24, 430-565 AD, cal. 2 sigma; BE-23468.1.1, 1523 ±24, 439-604 AD, cal. 2 sigma), und eine Grube am Rand der untersuchten Fläche konnte ins Hochmittelalter zwischen 980 und 1120 n. Chr. datiert werden (BE-23470.1.1, 1022 ±24, 987-1120 AD, cal. 2 sigma).
Das Hauptaugenmerk lag auf dem Befund eines verfüllten zweiteiligen Kellers. Der Hauptraum des Kellers umfasste 3.95 x 3.6 m und war lediglich einseitig mit einer gemörtelten Mauer befestigt. Im Süden schloss ein zweiter, kleinerer Raum mit den Massen 1.7 x 3.6 m an. Zwei Wände dieses Vorraums waren gemauert, während sich auf der dritten Seite Hinweise auf eine verstürzte Treppensituation erhalten haben. Zwischen dem Hauptraum und dem Vorraum, dessen Boden ca. 35 cm höher lag, wurde eine Stufe gefasst, die zur Hälfte mit einer hölzernen, vergangenen Schwelle und zur anderen Hälfte mit einer gemörtelten Stützmauer befestigt war. Sowohl der Boden des Vorraums als auch jener des Hauptraums wiesen Reste eines einfachen Mörtelbodens auf, vermutlich gelöschter Kalk, der direkt auf dem anstehenden Kies festgetreten wurde. Ein Holzkohlestück aus dem Mörtel der Seitenmauer konnte ins Spätmittelalter zwischen 1398 und 1472 datiert werden (BE-23472.1.1, 481 ±37, 1398-1472 AD, cal. 2 sigma). Die unterste Lage der Kellerfüllung bestand aus feinen lehmigen Sedimenten, was auf eine Überflutung des Kellers durch den nahen Bach hindeuten könnte. Im späten 16. oder im 17. Jahrhundert wurde im damals bereits abgerissenen Keller Hausrat und Mist entsorgt. Unter den Funden ist eine grosse Anzahl von Eisenfunden hervorzuheben, darunter ein vollständiges Messer, ein Messergriff und ein feines Kettengeflecht. Ausserdem wurden eine fast vollständige Keramikschüssel mit geschwenktem, sternförmigem Engobendekor, mehrere Ofenkacheln mit Rautenmuster und ein zwischen dem 15. und dem 17. Jh. geprägter Hohlpfennig oder Angster gefunden. Nach der Nutzung als Entsorgungsstelle wurde der Raum vollständig mit Geröll, Lehm und Bauschutt verfüllt. Abgesehen von einer weiter entfernt gelegenen Grube, deren 14C-Datierung auf eine Verfüllung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hinweist (BE-23469.1.1, 481 ±24, 1411-1451 AD, cal. 2 sigma), fehlen jegliche Hinweise auf weitere zeitgleiche Nutzungen des Grundstücks. Nach den vorliegenden Karten aus dem 18. und 19. Jahrhundert blieb das Grundstück auch in der Folgezeit unbebaut.
