Im Jahr 2020 wurden auf der Strandplatte vor der bekannten Pfahlbaustation Risch-Zweieren 378 Pfähle eingemessen und beprobt. Die Analyse der Verteilungen von Pfählen, untergliedert anhand ihrer Eigenschaften (Holzart, Querschnittsform etc.), ergab zwei potenzielle Baustrukturen (nicht-zufällige Anordnungen) und eine einzelne Pfahlreihe aus Weisstannen. Zudem wurden eine Pfahlreihe und eine rechteckige Struktur aus Pappel- sowie eine Struktur aus Erlenpfählen definiert, die jeweils ein Gebäude darstellen könnten (Abb. 1). Die nördliche Weisstannenstruktur bildet mit drei Reihen à fünf Weisstannenpfählen den Grundriss eines zweischiffigen Gebäudes. Der Abstand zwischen den einzelnen Pfählen beträgt jeweils ca. 1.5 m. Der erhaltene Grundriss misst ca. 6.5 m x 3 m und ist mit der längeren Achse NNO-SSW und damit parallel zum Verlauf der Strandplatte ausgerichtet. Die südliche Weisstannenstruktur besteht aus acht Weisstannenpfählen, die ein nahezu rechtwinkliges Viereck von etwa 3.2 m x 2.9 m bilden. Es könnte sich um einen unvollständigen Grundriss handeln, der eine ähnliche Ausrichtung wie der oben genannte besitzt. Auch die Pappel- und Erlenstrukturen haben ähnliche Ausrichtungen, lassen sich aber nicht zu vollständigen Grundrissen kombinieren. Pfähle im Umkreis machen es wahrscheinlich, dass hier ursprünglich parallele Pfahlreihen in einem Jochsystem bestanden. Offensichtlich ist das Pfahlfeld nur noch in Resten vorhanden.

23 Weisstannenproben aus den mutmasslichen Baustrukturen sowie weitere zwölf Weisstannenproben aus dem Pfahlfeld, die hohes dendrochronologisches Potenzial aufwiesen, wurden für eine Messung ausgewählt. Letztere sollten Auskunft über die Ausdehnung der mutmasslichen Siedlungsphase sowie über allfällige weitere Schlagphasen geben. 16 der gemessenen Weisstannen konnten zur Mittelkurve (MK) 3907 zusammengefügt werden. Über die Referenzkurven von Arbon TG, Bleiche 3 und Stansstad NW, Kehrsiten konnte MK 3907 auf 3423 v. Chr. datiert werden (t-Werte um t=8, Abb. 2). Sieben Hölzer aus dem nördlichen Gebäudegrundriss haben das Schlagdatum 3425 v. Chr. Eines der Hölzer im möglichen südlichen Gebäudegrundriss weist eine Waldkante aus dem Jahr 3429 v. Chr. auf. Dies datiert den Beginn der Bauaktivität innerhalb des Pfahlfelds, das Gebäude im Norden wurde dagegen erst vier Jahre später erstellt und noch während mindestens zwei weiteren Jahren instandgehalten.

Es handelt sich bei den datierten Weisstannen um seltene Zeugen von Schlagaktivitäten des sehr späten Jungneolithikums, das auch an anderen Schweizer Seen (beispielsweise am Pfäffikersee im Kanton Zürich) vorhanden, aber nicht gut belegt ist. Die bisher bekannten Funde von Risch-Zweieren wurden jeweils als «Horgener» Funde klassifiziert, müssten nun aber auch unter dem Gesichtspunkt dieser neuen Datierung betrachtet werden, allenfalls ist die Fundstelle auch mehrphasig. Der bereits 1987 gemachte Prospektionsfund eines meisselartigen Kupfergeräts, das vermutlich aus der Hälfte eines längs gespaltenen Beils vom Typ Bottighofen besteht, könnte zu dieser frühen Datierung passen. Dies einerseits typologisch, sofern die Bestimmung zutrifft. Hinweise gibt andererseits auch die Analyse des Rohmaterials. Es gehört zu einer der beiden bei Kupferobjekten des zentralen Mittellandes und der Ostschweiz bekannten jungneolithischen Kupfersorten, nämlich zum arsenfreien Reinkupfer, welches aufgrund der Bleiisotopenanalyse möglicherweise aus Lagerstätten der östlichen Ostalpen stammt, aber lokal gegossen wurde. Dagegen sind die seltenen spätneolithischen («Horgener») Kupferartefakte aus dem Alpenraum, die bisher analysiert worden sind, aus toskanischem Kupfer hergestellt. Archäologisches Schichtmaterial ist heute nur noch in der Kliffkante bzw. an Land erhalten – das neolithische Seeufer befand sich weiter landeinwärts. Aus dem 35. Jh. v. Chr. sind überregional nur wenige Fundorte bekannt. Umso interessanter ist, dass eine 2023 neu entdeckte und 2024 mittels 14C-Analysen untersuchte Fundstelle im Zugersee nur wenig nördlich von Risch-Zweieren, Risch ZG, Unterer Freudenberg, See, Daten ergeben hat, die in einen ähnlichen zeitlichen Bereich fallen könnten (siehe Fundbericht Unterer Freudenberg, See).