Eine geplante Überbauung in der Gemeinde Ipsach erfordert auf den Parzellen 1413 und 1430 eine grossflächige Rettungsgrabung in mehreren Etappen. Die beiden Parzellen liegen im archäologischen Schutzgebiet Räberain/Oberdörfli, innerhalb der pars rustica des bereits bekannten römischen Gutshofes. In früheren archäologischen Untersuchungen in der Umgebung wurden zudem Funde und Befunde aus dem Neolithikum, der Bronzezeit und der Latènezeit dokumentiert.

Im Hinblick auf das oben erwähnte Bauvorhaben führte der Archäologische Dienst des Kantons Bern im Frühling 2024 eine geoelektrische Prospektion durch, welche weitere Hinweise zur Umfassungsmauer des Gutshofes und den daran liegenden Steingebäuden lieferte. Darauf wurden im Sommer 2024 umfassende Sondierungen vorgenommen, welche die Erkenntnisse der Geoelektrik bestätigten und zusätzliche Mauern, Brandgruben, Schichten und mögliche prähistorische Befunde lieferten. Diese Ergebnisse zeigen, dass das gesamte Areal (als Fläche 1 bezeichnet) von rund 4'400 m2 vor Baubeginn archäologisch untersucht werden muss. Ausserdem ist im Südwesten der Parzelle 1413 mit Gräbern zu rechnen, da 2009 in der Anschlussparzelle fünf latènezeitliche Körperbestattungen freigelegt wurden.

Nach der Sondierungskampagne 2024 wurde 2025 die 1. Etappe der Rettungsgrabung durchgeführt und drei Flächen untersucht.

In der Fläche 2 wurden mehrere römische Schichten und vier orthogonal zueinander verlaufende Mauern erfasst, die mindestens drei Phasen zugeordnet werden können. Quer durch die Fläche 2 verläuft die 0.9 m breite, sehr sorgfältig errichtete Mauer 3, welche mindestens zwei aufgehend erhaltene Steinlagen sowie ein Fundament und eine massive Mauerrollierung aufweist (Abb. 1). Aus der geoelektrischen Prospektion ist bekannt, dass es sich bei Mauer 3 um die südwestliche Aussenmauer eines grösseren Nebengebäudes von ca. 14 × 18 m handelt. Innerhalb dieses Nebengebäudes wurde Mauer 6 erfasst, die aufgrund ihrer stratigrafischen Lage und Bauweise vermutlich zu einer jüngeren römischen Phase gehört als Mauer 3. Die Mauer 6 ist aus wiederverwendeten Bruchsteinen, Leistenziegeln und viel Mörtel errichtet und mittig in eine ovale Grube 94 gestellt worden (Abb. 2). Derzeit ist unklar, ob die Grube 94 für den Bau der Mauer 6 angelegt wurde oder bereits vorher bestand. Südlich von Mauer 3 befindet sich die Mauerecke 5/37. Nach aktuellem Stand der Interpretation wird sie einer älteren Phase als Mauer 3 zugewiesen und diente vermutlich als Sockelfundament für eine Holzkonstruktion. Im Südosten der Fläche 2 ist die Umfassungsmauer 4 erhalten, welche an Mauer 3 stösst. Ob dies lediglich den Bauablauf zeigt oder ob die Umfassungsmauer 4 in einer späteren Phase als Mauer 3 erstellt wurde, muss in weiteren Untersuchungen überprüft werden. Eindeutige Nutzungsschichten fehlen bisher oder sind noch nicht identifiziert worden. Hingegen liessen sich mehrere Bauhorizonte und mindestens ein Abbruchhorizont erkennen. Dazu kommen einige verstreute Pfostengruben. Ausserhalb der Umfassungsmauer 4 und dem Nebengebäude (Mauer 3) wurde zudem eine Grube mit Brandrötung angeschnitten. Deren Datierung und Funktion sind noch offen, 14C- und Sedimentproben wurden entnommen. Das spärliche Fundmaterial spricht für eine vorläufige Datierung der kaiserzeitlichen Befunde ab der Mitte des 1. Jh. bis zur Mitte des 2. Jh.

Unter den römischen Befunden und Schichten folgt ein Kolluvium mit vermutlich prähistorischen Keramikfragmenten. Dieses Kolluvium überdeckt einen prähistorischen Nutzungshorizont (möglicherweise aus der Bronzezeit) mit grösseren Keramikfragmenten, einem mit Bollensteinen verfüllten Graben, sowie einer Pfostengrube. Weitere Anhaltspunkte zur Interpretation der Befunde in Fläche 2 werden die geoarchäologischen Felduntersuchungen und die entnommenen, aber noch nicht ausgewerteten Profilkolonnen liefern.

Die zwei weiteren untersuchten Flächen 3 und 4 liegen beide in Parzelle 1413. Die nordöstliche Fläche 3 weist mehrere sich überlagernde Drainagen auf. Aufgrund des Fundmaterials unmittelbar über den Drainagen und in deren Einsedimentierungen könnte es sich um spätmittelalterliche oder frühneuzeitliche Drainagen handeln. Bei der stratigrafisch ältesten Drainage ist eine spätrömische Datierung nicht auszuschliessen, muss aber in den Folgeuntersuchungen überprüft werden. In der südwestlichen Fläche 4 führten die Schichten zahlreiche prähistorische Keramikfragmente und es konnten zwei markante Steinkonzentrationen freigelegt werden; ihre Grössen sprechen gegen eine Interpretation als Reste von  Körperbestattungen. Weitere Ergebnisse für diese Flächen sind in den kommenden Etappen der Rettungsgrabung ab dem Frühjahr 2026 zu erwarten.