2019 brannte das Gasthaus «Zum Schwarzen Bären», Rheingasse 17, nieder. Nach einer ersten Sondage wurde klar, dass das Gebäude, das seit dem Mittelalter aus drei Häusern zusammengewachsen war, mehr Schaden erlitten hatte als zuerst angenommen: Statt des Wiederaufbaus mit minimalen Bodeneingriffen wurde der Abbruch und Neubau des Gebäudeinneren erforderlich – und damit flächige und tiefe Eingriffe in den Kleinbasler Boden. Das gab uns 2024 die Gelegenheit, die Frühzeit Kleinbasels eingehender zu untersuchen, als es sonst möglich gewesen wäre, denn Flächengrabungen sind im Altstadtbestand selten (Abb. 1).
Schon die Sondage 2021 fasste einen grossen mittelalterlichen Steinbau mitten im Areal; 2023 kamen beim Aushub für Sicherungsmassnahmen erneut mittelalterliche Befunde, aber auch spätere Strukturen des 18./19. Jahrhunderts zutage. Den flächigen Aushub nahmen wir teils baubegleitend, teils vorgezogen von Hand vor, denn die abgebrannten Häuser waren strassenseitig nicht unterkellert: Unter ihren Böden konnten also Reste des ältesten Kleinbasels erhalten sein, zum Beispiel aus der Bronzezeit wie im nahen Jazzcampus oder aus dem Frühmittelalter. Die Fernwärmegrabungen der letzten Jahre hatten nahegelegt, dass schon vor dem Bau der Rheinbrücke um 1225 eine Siedlung im Umfeld der spätantiken Festung im Bereich des heutigen Reverenzgässleins lag. Die erhofften bronzezeitlichen Befunde blieben zwar aus, dafür fassten wir eine Uferböschung, vermutlich von einem Seitenarm des Rheins aus der Eisenzeit. Ein spätantiker Gehhorizont und ein Grubenhaus aus dem 9.–10. Jahrhundert bestätigen die Besiedlung, welche die reichen frühmittelalterlichen Grabfunde der Fernwärmeprojekte erwarten liessen. In Qualität und Grösse beeindruckt der Keller eines Steinbaus – wohl von «Hiltmars hus», das spätestens 1298 hier erwähnt ist. Dieser Bau, den ein Spitzgraben vom Schafgässlein abgrenzte, wurde noch vor 1330 bei der Parzellierung Kleinbasels auf zwei Besitzer aufgeteilt, wie eine Trennmauer und der Einbau von separaten Kellereingängen zeigen. Wohl noch im 14. Jahrhundert brannten beide Häuser auf dem halbierten Keller ab. Er wurde aufgegeben, mit Abbruchschutt gefüllt und lag fortan unter einem Innenhof. Von vielen neuzeitlichen Nutzungen sind vor allem Bäckereien fassbar, während die Gastwirtschaft, die kurz im 17. und dann durchgehend seit dem 19. Jahrhundert betrieben wurde, kaum Spuren im Boden hinterlassen hat (Abb. 2-3). Deutlicher waren Kellerunterfangungen zum Schafgässlein hin, die zeigen, wie kostbar der Platz in der neuzeitlichen Stadt wurde. In der Coverstory des Jahresberichts der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt 2024 (2025) werden die Befunde, Funde und archäozoologischen Analysen ausführlich dargelegt.
