In der Flachwasserzone vor dem Zuger Alpenquai, zwischen Hirschgehege und Bahnhofssteg, liegt in wenig mehr als anderthalb Metern Wassertiefe eines der wichtigsten Denkmäler der jüngeren Geschichte der Stadt Zug: Schnurgerade zieht hier, nordwest-südöstlich ausgerichtet, eine rund 85 m lange Doppelreihe aus kräftigen, versetzt zueinander eingerammten Pfählen entlang der Haldenkante. Verbaut wurden ausschliesslich Stämme mit Durchmessern um 25 cm, wohl ausnahmslos aus Weisstanne. Die oben flach abgesägten, insbesondere im Flachwasser teilweise aber bereits deutlich abgewitterten Pfähle sind im Abstand von rund 120 cm gesetzt, die beiden Einzelfluchten etwa 70 cm voneinander entfernt – insgesamt weist die Anlage ein über die ganze Länge sehr einheitliches und regelmässiges Aussehen auf. Der Nordwestabschnitt der Pfahlreihe ist auch trockenen Fusses, von der Uferpromenade aus, gut erkennbar. Hier läuft die Pfahlreihe im spitzen Winkel unter die der Quaimauer vorgelagerte, mit Beton hinterfüllte Spundwand – ob die Pfähle unter der heutigen Quaianlage noch vorhanden sind, muss derzeit offenbleiben. Die erhaltene Länge der doppelten Pfahlreihe erschliesst sich etwa im Luftbild – sie endet im Südosten am Rand der Katastrophenbucht, ganz in der Nähe des Kursschiffanlegers. Die letzten Pfähle stehen hier meterhoch frei im Wasser, ihre deutlich tiefer gelegenen Pfahlköpfe sind erheblich besser erhalten.

Die Pfahlreihe endet direkt an der Abrisskante der Vorstadtrutschung vom 5. Juli 1887 – eine Kartierung der einzelnen Pfähle auf dem nach der Vorstadtkatastrophe für den wissenschaftlichen Abschlussbericht angefertigten Situationsplan zeigt, dass die heute noch sichtbare Pfahlreihe exakt die Baulinie der in den 1880er Jahren im Bau befindlichen Quaianlage vor den später aus Sicherheitsgründen abgebrochenen Gebäuden «Gerbe» und «Restaurant Spillmann» nachzeichnet. Ganz offenbar handelt es sich um die Substruktion der geplanten Quaianlage, deren Bau die Vorstadtrutschung von 1887 verursacht hat. Laut den verfügbaren Quellen sind die heute noch erhaltenen Pfähle im Winter 1885/86 gerammt worden, zum Zeitpunkt der Rutschung wurde hier am Steinwurf gearbeitet. Bei dem erhaltenen, seeseitig der Pfahlreihe vorgelagerten groben Steinmaterial handelt es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit um Reste dieses Blockwurfs, der den Fuss der geplanten Quaimauer stabilisieren sollte. Verwendet wurde Abbruchmaterial der alten Stadtbefestigung. Im März 1886 sei «die Strecke im Abrissgebiet [...] fertig gepfählt, die Ausfüllung war im Gange». Und genau diese Auffüllung hinter der Pfählung für die Quaimauer führte, im Zusammenspiel mit den Erschütterungen durch die Pfählungen selbst, zur Überlastung des Baugrundes – mit katastrophalen Folgen: 11 Menschen sterben, 35 Gebäude werden zerstört, über einen Kilometer weit ziehen sich die Spuren der Rutschung in den See. Die die heutige «Katastrophenbucht» bildende Abrissnische, die eingetiefte Narbe des abrutschenden Sediments und der sich daran anschliessende Schuttkegel sind heute noch – an Land wie in der Topografie unter Wasser – prägnant erkennbar. Auf der Schuttmasse, in rund 20 Metern Wassertiefe, fand sich jüngst der fehlende Teil der Pfahlreihe wieder: Ein Teil der Quaimauer-Substruktion ist im Verband abgerutscht und ragt heute noch als stummer Zeuge des Unglücks aus dem Schlick des Seebodens, hunderte von Metern von seinem ursprünglichen Standort entfernt.