LK 1131, 2681250/1225065. Höhe 406-413 m.
Datum der Prospektion und Überwachung: 20.4.-31.8.2017.
Bibliografie zur Fundstelle: J. Reinhard/St. Steiner-Osimitz, Unverhofft kommt oft: Wiederentdeckung der ehemaligen Ziegelei auf der Schützenmatt in Zug. 33. Bericht der Stiftung Ziegelei-Museum 2016, 51-62; J. Reinhard/K. Weber/E. Gross et al., Zug, Schützenmatt: Sondierbohrungen. Tugium 32, 2016, 74-76; 34 2018 (in Vorb.).
Kernbohrungen und geplante Aushubüberwachung (Zielschacht für Tunnelbohrung der Stadtentwässerung). Größe der Baugrube 160 m². Uferverbauung.
Einzelfunde in See- und Deltasedimenten. Die «Microtunneling»-Bohrung für eine Vorflutleitung der Stadtentwässerung Zug-Nord machte auf der Schützenmatt in Zug den Bau eines sog. Zielschachtes zur Einfahrt des Bohrkopfes notwendig. Dieser liegt direkt am Zugerseeufer, misst nur 10.5 x 15.5 m, wurde jedoch auf eine Tiefe von mehr als 9 m unter Terrain ausgehoben - die Schachtsohle befindet sich damit rund 7.5 m unter dem heutigen Seespiegel. Der Bereich westlich der Baustelle war bereits im Jahr 2015 mittels Kernbohrungen erkundet worden. In den Bohrkernen hatte sich unter den modernen Aufschüttungen ein mächtiges Schichtpaket aus Seesedimenten gezeigt, in dessen oberen Teil zahlreiche Ziegelfehlbrände eingestreut waren. Letztere ließen sich der historisch in der Nähe überlieferten, 1591 ersterwähnten und 1794 abgebrochenen Ziegelei der Familie Kloter zuordnen. 2017 bestätigten zunächst zwei weitere Kernbohrungen die grundlegende Stratigrafie. Beim Aushub für den Zielschacht kamen unterhalb von 413 m ü.M. wiederum zahlreiche überfeuerte, teilweise zu Klumpen zusammengeschmolzene Ziegelfehlbrände aus den Seesanden zum Vorschein; ein Dachziegel trägt die gut in den Produktionszeitraum der Ziegelei Kloter passende Jahreszahl 1645. Auf gleicher Höhe fand sich eine rechtwinklig zum Seeufer stehende, ebenfalls neuzeitliche Mauer aus Bruchsteinen auf einer Substruktion aus leiterförmigen hölzernen Unterzügen, Faschinen und einem Pfahlrost. Ihre Lage und Blockwurf am westlichen Mauerfuß legen eine Interpretation als Ufermauer des ehemals hier in den See mündenden Aabachs nahe. Im Liegenden folgten Deltaschüttungen aus laminierten, immer wieder mit Lagen von botanischen Makroresten durchsetzten Sanden, die steil gegen den See hin einfallen. In diese Schichten eingelagert waren zahlreiche bearbeitete Hölzer, die überwiegend wohl als Werkabfälle der Holzbearbeitung zu deuten sind. Herausragend ist eine kleinräumige Fundkonzentration, die u.a. aus einem bootsspantartig zugearbeiteten Buchenbrett (Abb. 50), den Fragmenten eines Seiles aus Weidenrinde und der zur Hälfte erhaltenen, ledernen Flicksohle eines linken Schuhs besteht. Zeitlich lässt sich das Ensemble ins Hochmittelalter stellen: Die typologische Datierung der Flicksohle durch Marquita Volken «um das 11.-12. Jahrhundert» stimmt gut mit der C14-Datierung der Seilreste (ETH-81236: 887 BP ± 23; 1045-1217 cal. AD im 2-sigma-Bereich) überein. Konstruktive Strukturen fehlen auf dieser Höhe wie erwartet vollständig, das Fundgut ist anderenorts abgeschwemmt und in damals rund 7 m Wassertiefe in den Deltasedimenten des Aabachs eingebettet worden. Die aufgeschlossene Stratigrafie reicht ausweislich einer C14-datierten Haselnuss (ETH-81237: 1296 BP ± 23; 664-769 cal. AD im 2-sigma-Bereich) bis ins Frühmittelalter zurück - die Sedimente auf der Baugrubensohle werden zunehmend schluffig-organisch und nehmen Seebodencharakter an, der Einfluss des Bachdeltas nimmt merklich ab.
Archäologische Funde: Baukeramik; bearbeitete Hölzer; Seilfragmente, lederne Flicksohle eines Schuhs (Hundeleder?). Faunistisches Material: einzelne Knochen. Probenentnahmen: C14, Holzproben für Dendrochronologie, Bodenproben für Mikromorphologie/Sedimentologie, Makroreste, aDNA. Datierung: archäologisch. Mittelalter; Neuzeit. - C14. 7./8. Jh. n. Chr.; 11./12. Jh. n. Chr. ADA ZG, J. Reinhard und G.F. Schaeren.
Zug ZG, Schützenmatt (2241)
Consulter le PDF original
Détail de la chronique
Commune
Zug
Canton
ZG
Lieu-dit
Schützenmatt (2241)
Coordonnées
E 2681250, N 1225065
Altitude
406 m
Numéro de site cantonal
--
Numéro d'intervention cantonal
--
Nouveau site
--
Prélèvements
bois/charbon de bois, restes botaniques, échantillons de sédiments géoarchéologiques
Analyses
¹⁴C, dendrochronologie, DNAa, micromorphologie
Date de la découverte
--
Surface (m²)
160 m2
Date de début
20 avril 2017
Date de fin
31 août 2017
Méthode de datation
¹⁴C, dendrochronologique, archéologique
Année de publication
2018
Époques
Moyen Âge, Époque moderne, Époque contemporaine
Type de site
trouvaille isolée
Type d'intervention
--
Mobilier archéologique
céramique (élément architectural), matériel organique (objet en bois), matériel organique, matériel organique (pièce d'habillement)
Os
ossement d'animaux isolés
Matériel botanique
bois/charbon de bois
×
