Ein geplantes Bauprojekt auf Parzelle 1413 und 1430 in der Gemeinde Ipsach erfordert eine grossflächige Sondierungskampagne. Das Bauprojekt sieht mehrere Mehrfamilienhäuser mit zwei Tiefgaragen vor. Die beiden Parzellen liegen im archäologischen Schutzgebiet Räberain/Oberdörfli, innerhalb der pars rustica des bereits bekannten römischen Gutshofes. In früheren archäologischen Untersuchungen in der Umgebung wurden Funde und Befunde aus dem Neolithikum bis zur römischen Zeit dokumentiert (römische Nebengebäude, latènezeitliche Körperbestattungen, Gruben, Gräben und Wege).

Bei der Sondierungskampagne 2024 wurden insgesamt 19 Sondierungen angelegt. Sie sind mehrheitlich positiv und aufgrund der Beobachtungen in vier Kategorien (A, B, C und D) einzuteilen, welche verschiedene Vorgehensweisen mit sich bringen.

Die Kategorie A umfasst die Sondierungen im Osten der untersuchten Fläche, die durch römische Befunde und Funde geprägt sind. Es wurden Schuttschichten und Brandgruben freigelegt sowie gut erhaltene Mauern, die mit mindestens drei Lagen hoch erhalten sind. Die Mauern sind mit einem soliden Fundament ausgestattet, das stellenweise wohl bis zu 1.5 m tief reicht. Die Befunde zeigen auch, dass mit mehreren Bebauungsphasen zu rechnen ist.

Die Sondierungen der Kategorie B führten in den angeschnittenen Schichten auffällig viele prähistorische Keramikfragmente. In einer Sondierung wurden holzkohleführende Schichten dokumentiert und prähistorische Scherben sowie ein retuschiertes Silexfragment geborgen.

In den Sondierungen der Kategorie C erscheinen die natürlich gewachsenen Schichten ca. 50-60 cm unter der Grasnarbe. Die Schichten verlaufen mehrheitlich parallel zum heutigen Terrain und ihr Aufbau ist in allen Sondierungen ähnlich. In einer Sondierung konnte eine neuzeitliche Pfostenloch-Reihe (verfüllt mit Biberschwanzziegel) gefasst werden. Die Kategorie D fasst die Sondierungen zusammen, bei denen keine nennenswerten Beobachtungen gemacht werden konnten. Trotzdem sind Befunde auch hier nicht auszuschliessen.

Die Ergebnisse der Sondierungskampagne zeigen, dass die ganze Fläche vor Baubeginn archäologisch untersucht werden muss. Ab 2025 ist eine grössere Notgrabung geplant. In den Bereichen der Kategorie A und B ist eine intensive und aufwändige Untersuchung geplant, massgebend dafür sind die erfassten Mauern, Brandgruben, Schichten und mögliche prähistorische Befunde. Ausserdem muss im Südwesten der Parzelle 1413 mit latènezeitlichen Körperbestattungen gerechnet werden, da 2009 in der Anschlussparzelle Gräber freigelegt worden waren.