Ausgelöst durch ein Neubauprojekt im Gartenbereich eines Wohnhauses wurden vor Baubeginn im Mai 2025 Sondierungen durchgeführt. Obschon in keiner archäologischen Schutzzone gelegen, liessen die günstige Lage an einem nach Süden ausgerichteten Hangfuss und unweit des alten Dorfkerns von Beringen archäologische Überreste vermuten. Bei der in 100 m Luftlinie gelegenen Dorfkirche wurde 1990 bei Bauarbeiten eine Grube mit römischem Fundmaterial entdeckt. Ein Bagger hob deshalb mehrere über die gesamte Fläche verteilte Sondierschnitte aus. Tatsächlich kamen in einem der Schnitte mehrere Gruben mit römischem und prähistorischem Fundmaterial zum Vorschein. In den restlichen Sondagen zeigten sich keine Befunde.
In der Folge wurde im südöstlichen Viertel des Bauperimeters eine Grabung durchgeführt, während der restliche Bereich mit dem Bagger unter Begleitung der Archäologie bis auf den anstehenden Kalkschotter abgetragen wurde. Hier kamen zahlreiche weitere, in den Schotter eingetiefte Strukturen zum Vorschein. Es wurden über 30 Befunde dokumentiert, darunter ein Graben, Gruben und Pfostengruben.
In der Grabungsfläche zeigte sich ein ähnliches Bild. Im anstehenden Kalkschotter zeichnete sich eine dem abfallenden Gelände folgende Rinne von ca. 5 m Breite und 0.6 m Tiefe ab. In deren Verfüllung fanden sich zahlreiche römische Keramikfunde. Es scheint sich dabei um eine Erosionsrinne zu handeln, in die Material vom höher gelegenen Kirchhügel eingeschwemmt worden war. In der Rinnenverfüllung fanden sich mehrere Grubenstrukturen, die bis in den anstehenden Kalkschotter reichten. Weitere Gruben und ein Graben, in denen neuzeitliche Ofenkeramik gefunden wurde, waren neben der Rinne in den Schotter eingetieft. In den Grubenverfüllungen lagen neben Terra Sigillata auch einzelne prähistorische Scherben, eine römische Münze aus dem frühen 3. Jh. n. Chr. und mehrere Pfeilspitzen aus Silex. Auffällig ist, dass nur sehr wenige Knochenfragmente und Holzkohle in den Gruben gefunden wurden. Auch fehlt ein klarer Nutzungshorizont bzw. Abtiefungshorizont zu den eingetieften Strukturen.
Die Interpretation des gesamten Areals ist aktuell noch unklar, da eine genaue Ansprache der einzelnen Gruben schwierig ist. Es gibt keine Feuerstellen oder klaren Anzeiger für handwerkliche Tätigkeiten. Aus den zahlreichen Pfostengruben lassen sich keine Gebäudestrukturen rekonstruieren.
Ob die neuen Befunde mit der Fundstelle bei der Kirche im Zusammenhang stehen, kann nicht sicher gesagt werden. Es fehlen entsprechende Belege aus dem Areal dazwischen. Welcher Art die Nutzung des Areals war, muss ebenfalls noch offen bleiben. Fest steht jedoch, dass diese siedlungsgünstige Lage mehrfach genutzt worden ist. Zudem hat sich bestätigt, dass bei Neubauten in Altsiedelgebiet (Stichwort Innenverdichtung) stets mit Archäologie zu rechnen ist.
