Das Maiensäss GVG-Nr. 4-125 steht oberhalb des Dorfes Savognin in der Flur Tigignas Sot, einer Nord-Süd verlaufenden Hangterrasse. Von Frühling bis Herbst 2024 wurde es zu einem Ferienhaus umgebaut. Bereits früher waren in dieser Flur archäologische Funde gemacht worden, zuletzt im Jahr 2022, als bei der Anlage eines Werkleitungsgrabens bronzezeitliche, eisenzeitliche und römische Kulturschichten dokumentiert wurden. Erwähnenswert ist ferner ein markanter, westlich des Maiensässes gelegener Hügel, der wohl mit einer Wallgrabenstruktur befestigt war.

Am Gebäude wurden acht Fichtenhölzer aus unterschiedlichen Partien – Stall, Wohnteil und Heustock – dendrochronologisch beprobt. Die übereinstimmenden Schlagjahre um 1825/26 lassen auf einen damals erstellten, einheitlichen Bau schliessen. Der primäre Fokus der archäologischen Untersuchung lag jedoch auf den maschinellen Bodeneingriffen: Um die Fundamente zu unterfangen, musste an den Gebäudeaussenseiten abgetieft werden. Direkt nordöstlich wurden ferner ein Sickerschacht und ein knapp 10 m langer Leitungsgraben angelegt, wobei letzterer die Fortsetzung des bereits 2022 dokumentierten Grabens bildet.

Im Bereich des Leitungsgrabens und Sickerschachts wurden neben natürlichen Hangschutt- und modernen Planieschichten auch archäologische Schichten angeschnitten. Über einem Schwemmpaket mit Holzkohlelinsen lagen flache Gruben von teilweise über 1 m Durchmesser, die mit stark holzkohlehaltigem Lehm und zahlreichen Steinen verfüllt waren. Zur gleichen Phase gehört auch eine Pfostengrube. Darüber befand sich steiniges, vermutlich ausplaniertes Sediment, in welches unter anderem eine weitere Pfostengrube eingetieft war.

Das Fundmaterial bestand – mit Ausnahme eines Bronzeplättchens, das aus umgelagertem Material geborgen wurde – lediglich aus Tierknochen, welche keine chronotypologische Aufschlüsselung des Schichtpakets erlauben. Indes lassen die stratigraphischen Zusammenhänge – bestimmte Schichten können mit bereits 2022 dokumentierten Schichten gleichgesetzt werden – eine eisenzeitliche und/oder römische Zeitstellung annehmen. Darüber hinaus konnte eine der genannten Holzkohlekonzentrationen mittels der Radiokarbonmethode in den Zeitraum 103 v. Chr.–62 n. Chr. eingeordnet werden, also in die Übergangsphase von der ausgehenden Eisenzeit zur frührömischen Zeit (BE-24195.1.1 2033 ± 26 BP).