Bereits im 19. Jahrhundert wurden im Umfeld der Kirche Bürglen in Aegerten römische Funde und Ziegel gemeldet. In verschiedenen kleineren und grösseren Grabungen gelang es in den 1980er-Jahren Spuren einer Nutzung des Areals ab dem 1. Jh. n. Chr. sowie zwei spätrömische Militärbauten an gegenüberliegenden Ufern eines alten Arms der Zihl nachzuweisen. Die Gebäude liessen sich dendrochronologisch auf 368 bzw. 369 n. Chr. datieren.

Im Frühsommer 2025 wurden Aushubarbeiten auf einer Baustelle westlich der Kirche begleitet, sie lag auf rund halber Strecke zwischen den Militärbauten. Als eine grosse Zahl an Eichenpfählen und römisches Fundmaterial zum Vorschein kam, konnte ein Unterbruch im Bauprogramm für eine Dokumentation genutzt werden. Eine zweite Grabungsetappe dürfte 2026 stattfinden. In rund 1.5 m Tiefe traten fluvial abgelagerte Silt-, Sand- und Kiesschichten auf und unter dem modernen Grundwasserspiegel hatten sich ausserdem Schwemmhölzer und Pfähle erhalten. Die Verteilung der Pfähle in quer zur Zihl verlaufenden, bis 10 m langen Konzentrationen führte bald zu einer Interpretation als Brückenjoche. Bestätigt wurde sie, als an den Enden der Joche mehrere schräg eingerammte Pfähle freigelegt werden konnten (Abb. 1). Solche Prell- bzw. Strebepfähle sind ein typisches Element römischer Jochbrücken.  

Die grosse Anzahl von Pfählen in den Pfahlkonzentrationen und ihre unterschiedlichen Querschnitte (meist quadratisch oder rundlich) und Durchmesser deuten auf eine Mehrphasigkeit der einzelnen Joche. Erste Datierungen im Dendrolabor des Archäologischen Dienstes zeigen, dass die früheste Konstruktion in der Zeit um 40 v. Chr. erbaut wurde. Die jüngsten Teile stammen von im Jahr 369 n. Chr. gefällten Bäumen; sie entstanden also zeitgleich mit den zwei Militärbauten. Dazwischen sind weitere Bauphasen belegt. Ob es sich um neue Brücken oder nur um punktuelle Reparaturen handelt, werden die Jahrringuntersuchungen in Kombination mit den Kartierungen der Pfähle und ihren Eigenschaften zeigen.

In den Schwemmschichten unter und neben der Brücke wurde viele Fundobjekte geborgen. Dazu gehören unter anderem Schuhnägel, Hufschuhe, Kummetbügel und weitere Teile von Pferdegeschirr, Äxte, ein Dreizack und ein Haken für den Fischfang, ein Bootshaken, eine Fussfessel, Fibeln, Schlüssel und Münzen. Besonders bemerkenswert ist ein aussergewöhnlich gut erhaltener Hobel aus Holz und Eisen. Auch Scherben von Amphoren, Krügen und anderen Gefässen aus Keramik wurden geborgen. Eine erste Durchsicht der Keramik und gut 40 Münzen deutet auf einen Schwerpunkt des Fundmaterials im 1./2. Jh. n. Chr. hin, wobei es eine nicht unerhebliche Zahl republikanischer Münzen oder Münzen aus der Übergangszeit hat.