Auf einer Parzelle an der Pestalozzistrasse 7c in Oberwinterthur, die bisher als Garten für das angrenzende Wohnhaus genutzt wurde, soll ein Einfamilienhaus errichtet werden. Da sich die Parzelle am Rand des Nordquartiers des römischen Vicus Vitudurum befindet, führte die Kantonsarchäologie Zürich auf dem Areal eine Rettungsgrabung durch.
Aus Grabungen auf der westlich angrenzenden Nachbarparzelle sind Strukturen bekannt, deren Fortsetzung in der Fläche zu erwarten war. Zu nennen ist hier beispielsweise der im 3. Jh. noch offen stehende Weidegraben 73, der als Nordgrenze des Vicus interpretiert wurde, sowie eine Pfostenreihe und weitere Gräben. Weitere Befunde, die hier im Bereich der Hinterhöfe erwartet wurden, sind Latrinen, Gräben, Abfallgruben oder Parzellengrenzen.
Der anstehende Boden besteht aus einem graubraunen, sehr tonigen Material und fällt nach Osten ab. Stellenweise weist er grössere graue Flecken auf, die vermutlich auf natürliche Prozesse im Zusammenhang mit Wasser zurückzuführen sind. Im westlichen Teil der Fläche wurde er durch eine stark verhärtete, überraschend intensiv dunkelrot verfärbte und fundleere Schicht überdeckt. Diese wurde nach Osten hin weicher und schien nicht anthropogen zu sein. Die rote Verfärbung und die starke Verhärtung sind vermutlich auf eine regelmässige Durchnässung zurückzuführen.
Darüber lag eine im Westen nur wenige Zentimeter dicke, im Osten deutlich mächtigere und in zwei Straten unterteilbare Schicht, die sich stellenweise dunkel verkrustet zeigte und römische Keramikfragmente und Münzen des 1. und 2. Jh. enthielt. Auch die meisten römischen Befunde sind hier zu verorten. Leider lässt sich die Stratigraphie nicht feiner aufgliedern.
Über dieser Schicht lag eine mächtige Lage eines Hanglehms, der im 19. Jh. die Fläche überdeckte. Dieser glich das Gefälle in der Fläche vollständig aus und ist entsprechend im Westen deutlich dünner als im Osten. Darüber folgte der moderne Humus.
Der von der Nachbarparzelle bekannte Graben 73 konnte zwar gefasst, seine Funktion als Weidegraben bzw. als Siedlungsgrenze jedoch nicht bestätigt werden. Vielmehr erschien er als südlicher Strassengraben einer befestigten Strasse, die als Zufahrtsstrasse zu den Hinterhöfen diente. Sie verläuft parallel zur Hauptstrasse entlang der Hinterhöfe. In der Fläche zeigte sie sich grösstenteils sehr deutlich und sorgfältig ausgeführt. Dennoch war sie auf der Nachbarparzelle nicht erkennbar; die damals gefasste Kiesschicht wurde als Kiesplatz interpretiert. Die Fundobjekte aus der Strasse reichen vom späten 1. bis ins frühe 3. Jh. n. Chr.
Im Norden wird die Strasse von einem kleineren Graben flankiert, der ebenfalls von der Nachbarparzelle bekannt war, dort unter der Bezeichnung «Graben 18». Eine nördlich daran anschliessende Kiesplanie ist weniger sorgfältig ausgeführt als die Strasse. Da kein klarer Abschluss gefasst wurde, konnte die Funktion der Planie an der Pestalozzistrasse 7c nicht geklärt werden. Auf der Nachbarparzelle wurde sie 2006 als Kiesweg KW1 angesprochen. Möglicherweise handelte es sich um einen Fussweg, der neben der befestigten Strasse entlangführte.
Südlich der Strasse und damit im Hinterhof wurde eine grosse Latrine freigelegt, aus der zwei Pfirsichsteine, mehrere Münzen, eine Fibel und etwas Keramik des ausgehenden 1. Jh. n. Chr. vorliegen. Der Kasten war nicht erhalten, der Abdruck davon jedoch klar erkennbar. In der Nähe der Latrinengrube wurde zudem eine Fassgrube freigelegt. Die Grube war auffallend fundreich, wobei einige Keramikfragmente wohl bis ins frühe 1. Jh. zurückreichen.
Die Parzellengrenzen konnten nicht zweifelsfrei festgemacht werden, wenngleich einige Gräben und Gruben Hinweise liefern.
Die Funde, darunter auch Münzen und zahlreiche Fragmente überwiegend schlecht erhaltener Gefässkeramik, datieren vorwiegend ins 1. und 2. Jh. Einzelne Keramikscherben stammen möglicherweise aus dem Frühmittelalter, einige wenige aus der Bronzezeit. Erwähnenswert sind ausserdem einige Glasfragmente, ein Ohrlöffelchen, zahlreiche Tierknochen, ein halber Mühlestein und ein stark korrodierter Eisenschlüssel.
