Zwischen dem 9.9. und 10.10.2025 begleitete der Archäologische Dienst Graubünden in Zusammenarbeit mit der Bauhütte des Klosters St. Johann in Müstair die Grabungsarbeiten für eine neue Wasser-Verbindungsleitung zwischen Sta. Maria und Müstair in der Gemeinde Val Müstair. Die Begleitung der Erdarbeiten südöstlich der Kantonsstrasse erschien notwendig, da verschiedene Flurnamen in diesem Bereich auf ein mögliches Gräberfeld hinwiesen.

Bei den regelmässigen Begehungen der Leitungstrasse fiel in der Flur Dador Sielva an mehreren Stellen eine zwischen 4 und 10 cm starke Holzkohleschicht auf, abgedeckt von einer 0.6–0.8 m mächtigen Schicht aus siltigem Humus – womöglich einem alten Ackerhorizont. Die Reinigung der Profile zeigte, dass es sich hierbei um einen beinahe durchgehend erhaltenen Brandhorizont handelt, der auf einer Länge von beinahe 400 m in den Fluren Dador Sielva, Plaun Lad und Chasseras vorhanden ist. Die Brandschicht liegt auf einer wahrscheinlich durch das Brandereignis oberflächlich rot verfärbten Schicht aus gelbem sandigem Lehm. Stellenweise fand sich zwischen der Holzkohleschicht und dem Lehm eine mehrere Zentimeter starke, weissgraue Ascheschicht. Auffällig ist, dass es sich bei den an mehreren Stellen geborgenen Holzkohlen ausschliesslich um Aststücke handelt, Reste grösserer Rundhölzer fehlen offenbar. Dies legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei nicht um die Reste eines Waldbrandes, sondern um einen Brandrodungshorizont handelt, wo lediglich Astwerk und Unterholz an Ort und Stelle abgebrannt wurden, während grössere Stämme vorgängig entfernt worden sind.

Die 14C-Datierung der jüngsten Jahrringe eines Astfragments ergab eine Datierung in die jüngere Eisenzeit zwischen 339–52 v. Chr. Fundstellen der Eisenzeit sind im Hochtal von Müstair selten. Bekannt ist ein umfangreicher Keramikkomplex der jüngeren Hallstattzeit mit wenigen Metallfunden (6. und 5. Jh. v. Chr.) aus dem Kloster St. Johann in Müstair. In geringerem Masse fanden sich dort auch latènezeitliche Scherben der Fritzens-Sanzeno-Kultur. Daneben ist eine Höhle mit hallstattzeitlicher Keramik beim Lai da Juata auf ca. 2200 m oberhalb von Tschierv bekannt. Das 14C-Datum passt gut zum für das Kloster Müstair konstatierten früh- bis mittellatènezeitlichen Schwerpunkt im jüngereisenzeitlichen Fundbestand.