Im Rahmen des mehrphasigen Ausbaus des Fernwärmenetzes in der Altstadt Schaffhausen fanden baubegleitend archäologische Ausgrabungen in der Schwesterngasse statt. Durch zuvor untersuchte angrenzenden Bereiche war bekannt, dass dieser Abschnitt Teile der Stadtmauer von 1200 und Gräber aus der Frühneuzeit beinhaltet. Obschon die gesamte Gasse mit bestehenden Leitungen und Schächten durchsetzt war, kamen in den ungestörten Bereichen etliche Befunde zum Vorschein. Die Arbeiten in der Schwesterngasse erfolgten in zwei Abschnitten: Im Norden wurde der Leitungsgraben in der westlichen Gassenhälfte verlegt, wonach für den südlichen Abschnitt der Graben auf die östliche Gassenhälfte wechselte.

Im nördlichen Abschnitt wurde die noch 1 m hoch erhaltene Stadtmauer direkt unter einer bestehenden Leitung angetroffen (Abb. 1). Sie verläuft mittig durch die Schwesterngasse. Die Mauer mit einer Stärke von 1.2 m konnte auf einer Länge von 22 m gefasst werden. Dabei wurden auch die Schichtanschlüsse auf der Mauerinnenseite dokumentiert, die mehrheitlich aus Bachgeschiebe bestanden. Nach dem Wechsel des Leitungsgrabenverlaufs auf die Ostseite wurde eine als Stützmauer angesprochene Konstruktion angetroffen. Sie war zeitgleich mit der Stadtmauer errichtet worden und verstärkte den Mauerfuss zum Stadtgraben hin (Abb. 2). Diesem wurde um 1445 eine zweite, äussere Stadtmauer vorgesetzt. Der dazwischen liegende Graben wurde aufgefüllt und die so neu gewonnene Fläche für verschiedene Zwecke genutzt, unter anderem ab 1564 als Friedhof.

In der Grabenverfüllung, direkt an die damals noch bestehende Stadtmauer von 1200 anschliessend, wurden dicht neben- und übereinanderliegend 71 Bestattungen angetroffen (Abb. 3). Vielfach waren diese durch historische, aber auch jüngere Eingriffe gestört. Die in Holzsärgen beigesetzten Toten lagen West-Ost ausgerichtet, mit Blick nach Osten. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um Einzelbestattungen. Abgesehen von Eisennägeln, Holzresten der Särge und Buntmetall-Haken und Ösen der Totenkleidung enthielten die Gräber keine Funde. Unter den Individuen befanden sich sowohl erwachsene Frauen und Männer als auch Jugendliche und vereinzelt Säuglinge. Der Friedhof zwischen den beiden Stadtmauern ist anhand von Schriftquellen gut zu datieren. Er wurde im Zuge einer grossen Pestwelle im Jahr 1564 zwischen dem Kloster St. Agnesen und dem Webertörli angelegt, weil der grosse Friedhof bei der Stadtkirche St. Johann voll war. Ab da fungierte er für rund 100 Jahre als Bestattungsplatz für die umliegenden Quartiere und ein angrenzendes Lazarett. In dieser Zeitspanne wurde Schaffhausen mehrfach von Pestepidemien heimgesucht. Während ein Ratsprotokoll von 1564 festlegt, dass mehrere Tote in einer Grabgrube bestattet werden sollen, schreibt ein weiterer Beschluss 1629 vor, dass für jede verstorbene Person ein eigenes Grab ausgehoben werden müsse. Insofern dürften die angetroffenen Bestattungen nicht in den Zusammenhang mit der Pestwelle von 1564 gestellt werden.

Nach dem Auflassen des Friedhofs siedelten sich ab 1670 Handwerksbetriebe an. Mehrere gemauerte Schächte und hölzerne Rinnen zeugen von den Aktivitäten einer Gerberei (Abb. 4).

Obwohl der Fernwärmeausbau im Abschnitt der Schwesterngasse abgeschlossen ist, sind für 2026 im Rahmen der Aufwertung des Areals weitere Eingriffe sowohl im Abschnitt der Stadtmauer wie auch auf der Achse des Pestfriedhofs vorgesehen.