Das unter kommunalem Schutz stehende Gebäude an der Hohlandstrasse 4/6 in Oberwinterthur soll renoviert und umgebaut werden. Aufgrund der prominenten Lage in der Nähe der Kirche St. Arbogast auf dem Kirchhügel und nahe dem Zentrumsquartier des römischen Vicus Vitudurum war mit römischen, aber auch mittelalterlichen und neuzeitlichen Befunden und Schichten zu rechnen.
Bereits 2018/19 fanden erste Sondierungen sowie eine bauhistorische Untersuchung statt. Dabei stiess man nur wenig unter dem bisherigen Hausboden wie erwartet auf die Fortsetzung der 294 n. Chr. errichteten Befestigungsmauer. Zudem fand man Schichten des 2. und 3. Jh. Die Bauuntersuchung des bestehenden Hauses ergab, dass dieses im Kern auf ein 1513d errichtetes, spiegelsymmetrisches Doppelhaus in Bohlenständerbauweise zurückgeht, das wiederum auf einem noch älteren Keller errichtet wurde.
Das Bauprojekt wurde kurz darauf sistiert, was zu einer längeren Unterbrechung führte. Im Jahr 2024 wurden die Untersuchungen im Rahmen des überarbeiteten Projekts wieder aufgenommen. Zur Vorbereitung der geplanten Ausgrabung wurde zunächst eine kleine Sondierung durchgeführt. Der in den Profilen angetroffene Bodenaufbau zeigte zum einen umfangreiche Abbruchschichten, die wohl bei der Vorbereitung des Bauplatzes für den Bau der spätantiken Befestigung entstanden, zum anderen dunkle Aufschüttungen, bei denen es sich möglicherweise um die Verfüllung eines Befestigungsgrabens handelt. Unter diesen Schichten konnten der Vorplatz zu einem bekannten, öffentlichen Grossbau aus dem 2. und 3. Jh. sowie Schichten aus dem frühen 1. Jh. nachgewiesen werden.
Die Arbeiten im Rahmen der seit November 2024 laufenden Notgrabung fokussierten sich bisher auf Bereiche in der 1513 errichteten Stallscheune. Dabei wurden frühere Raumtrenner, Böden sowie diverse Mistgruben nachgewiesen. Es liegen auch Hinweise auf vorgebäudezeitliche Gruben oder Gräben aus dem 15. Jh. vor, die jedoch noch nicht ausgegraben wurden. Auch römerzeitliche Schichten konnten bereits angeschnitten, aber noch nicht untersucht werden.
