Ein Bauprojekt sieht die Überbauung der bisher unbebauten Parzelle 213 in Kaiseraugst mit einem Einfamilienhaus samt Untergeschoss vor. Das Grundstück liegt, bezogen auf die antike Topographie, in der sogenannten Nordwestunterstadt von Augusta Raurica, im Kreuzungsbereich der sogenannten Gwerd- und Hafenstrasse. Die Parzelle wurde seit nachrömischer Zeit landwirtschaftlich genutzt und in der Zwischenzeit nicht überbaut.
Die im Jahr 2024 durchgeführten geophysikalischen Prospektionen liessen auf der betreffenden Parzelle römische Baubefunde erwarten (KA 2024.005). Die Grabungsfläche befindet sich unmittelbar südlich der Hafenstrasse und etwa zehn Meter nordöstlich der Gwerdstrasse.
Während der Ausgrabung zeigte sich, dass die Parzelle weitaus stärker gestört war als erwartet. Zwar konnten einzelne der mittels Geophysik detektierten Anomalien als römische Befunde bestätigt werden – darunter das Mauerfundament eines römischen Gebäudes (Abb. 1) –, doch war der Boden durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung seit der Frühen Neuzeit stark durchwühlt und homogenisiert. Im Westen der Grabungsfläche wurde zudem eine grossflächige Abscherung bis auf den anstehenden Schotter erfasst, die mit humosem Material verfüllt war und römische bis neuzeitliche Funde enthielt. Möglicherweise handelt es sich dabei um den von Karl Stehlin 1909 erwähnten Steinbruch, der sich von der «Winkelmatt» bis zur «Höll» erstreckt haben soll. Da die Abscherung hier lediglich bis auf den anstehenden Schotter reichte und der anstehende Fels nirgends erfasst wurde, wäre alternativ auch eine neuzeitliche Materialentnahmegrube in Betracht zu ziehen, die anschliessend mit Abfällen verfüllt worden wäre. Diese grossflächigen Störungen dürften zugleich erklären, weshalb die römische Hafenstrasse, die die Parzelle im Nordwesten eigentlich queren müsste, nicht nachgewiesen werden konnte.
