Auf den beiden Parzellen 3233 und 3627 am westlichen Dorfeingang von Verdabbio oberhalb der Strada Cantonale wurde für das Jahr 2025 der Bau zweier Einfamilienhäuser geplant. Bereits 1961 waren bei Bauarbeiten in diesem Teil von Verdabbio insgesamt acht beigabenlose Bestattungen unbekannten Alters entdeckt und zum Teil durch das Rätische Museum dokumentiert worden. Sechs Gräber lagen etwa 100 m nördlich der Parzellen 3233 und 3627. Der genaue Fundort der übrigen zwei ist nicht bekannt, doch dürfte er im nahen Umfeld der genannten Parzellen zu lokalisieren sein. Aus diesem Grund führte der Archäologische Dienst Graubünden im Vorfeld der Aushubarbeiten für den Bau eine archäologische Grabung durch.

Der westliche Bereich der Grabungsfläche wurde durch eine ebene Fläche gebildet, die hangaufwärts im Westen durch eine obertägig sichtbare Hangstützmauer begrenzt wurde. Unterhalb von wenigen Zentimetern humosen Oberbodens befand sich bereits der anstehende Boden. In diesen waren mehrere Pfostenlöcher und ein Graben eingetieft. Wahrscheinlich wurde die Terrasse im Zusammenhang mit der westlichen Hangstützmauer modern angelegt. Der Fund einer Münze mit dem Prägedatum 1908 direkt oberhalb des gewachsenen Bodens deutet jedenfalls darauf hin.

Im Norden wurde die Terrasse durch eine niedrige Trockenmauer begrenzt, welche zwar nicht mehr obertägig sichtbar war, jedoch eindeutig mit der westlichen Hangstützmauer verzahnt war. Nördlich dieser Mauer konnten keine eindeutigen Befunde festgestellt werden.

Richtung Osten fiel der anstehende Boden auf einer Breite von 5 m bis zur östlichen Grabungsgrenze um 2.5 m ab. Direkt darüber, bzw. in diesen eingetieft, lagen mehrere, parallel zum Hang ausgerichtete Trockenmauern, Steinschüttungen und Steinzüge. Die Trockenmauern waren unterschiedlich lang und breit, teils nur wenige Lagen hoch erhalten, teils über 1 m hoch und aus massiven Steinblöcken errichtet. Zum spärlichen Fundmaterial aus den darüberliegenden Schichten zählt das Fragment eines Glasarmreifs, das auf eine eisenzeitliche Nutzung hindeutet. Hinter einer Steinplatte, die an eine auf 12.5 m Länge dokumentierte, 1.1 m hohe Trockenmauer lehnte, wurde eine römische Kreuzhacke aus Eisen gefunden.

Etwa 3 m östlich dieser Mauer verlief parallel dazu eine weitere schmale, 2–4 Lagen hoch erhaltene Trockenmauer. Diese hatte eine sichtbare Länge von 5,5 m und erstreckte sich im Süden über die Grabungsgrenze hinaus. Der Bereich zwischen den Mauern war mit einer Steinplanierung verfüllt, sodass eine ebene Fläche entstand. Möglicherweise handelte es sich hierbei um eine Terrassierung für ein Gebäude.

Eine weitere, rechteckige Struktur befand sich im Südwesten der Grabungsfläche. Am nördlichen Abschluss einer 2 m langen Trockenmauer zweigte ein Steinzug aus flachen Steinplatten Richtung Osten ab. Nach weiteren 2 m verlief er im rechten Winkel wieder nach Süden. Der südliche Abschluss lag ausserhalb der Grabungsfläche.

Offenbar wurde der Platz zu verschiedenen Zeiten genutzt und der Hang immer wieder durch Mauern gesichert und durch das Anlegen von Terrassen nutzbar gemacht. Eine genaue Datierung der einzelnen Phasen ist allerdings kaum möglich, da die darüberliegenden Schichten sehr homogen waren und das Fundmaterial sehr spärlich blieb. Gräber wurden keine entdeckt.