Im Sommer 2025 führte die Kantonsarchäologie im Garten der Liegenschaft Jurastrasse 55 eine einmonatige Ausgrabung durch, bevor das Einfamilienhaus mit Nebengebäude einem Mehrfamilienhaus weichen sollte. Die um die Altbauten entdeckten Überreste stehen in Zusammenhang mit der römischen Ansiedlung des Platzes, die seit dem 19. Jahrhundert erforscht wird. 1941 schnitt die Museumsgesellschaft Grenchen auf der nördlichen Nachbarparzelle in einem Sondiergraben ein Mauerstück an. In jüngerer Zeit wurden 2011 und 2015 über 60 m weiter westlich ein Gebäude aus dem 2./3. Jh. sowie ein Wasserbecken aus dem 1. Jh. entdeckt.

Die neuesten Entdeckungen liegen womöglich innerhalb des Hauptgebäudes, dessen Standort bislang noch unbekannt war. So kamen im nordwestlichen Teil der Parzelle zwei massive, rechtwinklig zueinanderstehende Mauerstücke eines mindestens 2,8 × 12.3 m grossen Gebäudes zum Vorschein. Erhalten waren noch die 80 cm breiten und mindestens 60 cm tiefen, aus Kalkbruchsteinen geschichteten Fundamente. Der antike Gehhorizont war nicht mehr vorhanden. Im mittleren Teil der Parzelle fand sich unter einer Kulturschicht mit kleinteiligem Bauschutt ein knapp 1 m langer Abschnitt eines Ost-West verlaufenden Doppelgrabens. Der südliche Graben war 80 cm breit und 1,15 m tief, der nördliche 60 cm breit und 90 cm tief. Beide Gräben waren im gleichen Zuge ausgehoben und mit grossen Kalkbruchsteinen aufgefüllt worden. Ausdehnung und Funktion des Doppelgrabens bleiben unklar. Im südlichen Teil der Parzelle förderte die Ausgrabung ein Mauergeviert mit einer Seitenlänge von 3.7 m zu Tage, das durch moderne Leitungen gestört war. Da die Mauern auf einer älteren Schuttschicht lagen, gehört der Bau in eine jüngere Siedlungsphase. Von den bis zu 70 cm breiten Mauern waren nur noch die untersten, unregelmässigen Lagen aus Kalkbruchsteinen und Geröllen erhalten. Innerhalb des Mauergevierts setzte ein trocken gemauerter Kanal an, der das Bodenwasser sammelte und hangabwärts in Richtung Süden ableitete. Der Kanal war 45 cm breit und wurde auf einer Länge von 8 m freigelegt. Die Wangen aus Kalkbruchsteinen waren mit Kalksteinplatten und Ziegelfragmenten gedeckt. Das spärliche Fundmaterial lässt eine grobe Datierung der Siedlungsreste ins 2./3. Jh. zu.