Am Seehofweg 5 in Busskirch stand der Ersatz eines Einfamilienhauses durch ein Mehrfamilienhaus mit vollflächigem Untergeschoss an. Das Baugrundstück befindet sich an der nordwestlichen Peripherie des mutmasslich zum römischen Gutshof von Busskirch gehörigen Areals. Darauf deuteten Interpolationen aufgrund der geophysikalischen Messresultate. Weiter waren in den 1960er-Jahren in der Nachbarschaft römische Brandgräber beobachtet worden, deren exakte Lage heute allerdings nicht mehr rekonstruierbar ist. Nachdem vor wenigen Jahren eine Grossüberbauung auf der unmittelbar westlich gegenüberliegenden Strassenseite archäologisch begleitet wurde, jedoch befundlos blieb, ordnete die Kantonsarchäologie St. Gallen für das Bauprojekt am Seehofweg 5 trotzdem eine Baubegleitung an. Während des Aushubs für das Untergeschoss traten am 19. Dezember 2024 überraschend grossflächig römische Schichten auf. Dieser Umstand löste eine archäologische Notgrabung im ersten Trimester 2025 mit anschliessender Baubegleitung bis Ende Mai 2025 aus.
Das Gelände war geprägt von Trans- und Regressionen des Ober- und Zürichsees in vor- und nachrömischer Zeit. Ob auch während der römischen Arealnutzung Phasen mit Seehochständen bestanden, kann mittels der Mikromorphologieproben untersucht werden. Das römische Schichtpaket zeichnete sich durch seine ausgeprägte Dunkelfärbung und einen hohen organischen Gehalt aus (Dark Earth). Dieses liess sich makroskopisch zum Teil in mehrere aufeinander folgende Schichten untergliedern, wobei unklar blieb, ob zwischen den Schichten auch Hiaten resp. Phasen der Erosion liegen könnten. Vereinzelt wurden trotz der ausgeprägten Dunkelfärbung einzelne Strukturen festgestellt (konstruierte Feuerstelle, Pfostenlöcher, Gruben). Besser zeichneten sich die eingetieften Strukturen in den darunterliegenden helleren Lehmschichten natürlicher Genese ab. Auffallend waren mehrere stehende Gefässe oder Gefässpartien sowie kleine, mit Steinen, Steinplatten oder Ziegeln ausgekleidete und/oder abgedeckte Grübchen, welche Überreste von Brandbestattungen darstellen könnten. Erst die Analyse der geborgenen Sedimentproben kann eine solche Hypothese verifizieren. Auf eine Nutzung des Platzes als Begräbnisort deuten auch die zahlreichen Kleinfunde. Eine einzelne Körperbestattung in Hockerstellung mit Kopf im Osten und Blick nach Süden unterstreicht eine solche These. Die Person trug einen einfachen, geschlossenen Buntmetallarmreif. Ihre chronologische Einordnung fällt allerdings schwer, 14C-Analysen stehen noch aus.
Auffallend waren weiter grosse Mengen an (Schmiede-)Schlacken, welche sich besonders in den oberen Partien des Dark Earth-Paketes befanden. Ob das Areal (zeitweise) als Handwerksplatz genutzt wurde oder die Schlacken hier lediglich entsorgt wurden, gilt es weiter abzuklären. Auch ihre chronologische Stellung muss weiter untersucht werden, denn eine früh-/hochmittelalterliche Zeitstellung kann nicht ausgeschlossen werden.
