In der dritten und letzten Etappe des Projekts Wettsteinquartier wurden beim Ausbau des Fernwärmenetzes in der Grenzacher-, Rheinfelder-, Wettstein- und Hammerstrasse sowie in der Utengasse, am Lindenberg und schliesslich in der Rebgasse insgesamt 27 Flächen archäologisch untersucht (Abb. 1). Die Weitläufigkeit der Bodeneingriffe führte zu verschiedenartigen Befunden: An der Grenzacherstrasse konnten wir grossflächige moderne Aufschüttungen und Mauern der Erstbebauung des 19. Jahrhunderts dokumentieren, während in der Kleinbasler Altstadt an unterschiedlichen Orten Strassenschichten und Wasserleitungen aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit zutage kamen.

An der Rebgasse wurde ein neuer umfangreicher Hausanschluss gebaut, direkt neben den Untersuchungen von 2021/6. Die Schichten aus dem Endneolithikum konnten weiterverfolgt werden, und es wurde wiederum eine Feuerstelle aus dieser Zeit gefunden.

Ein anderer Befund in der Rebgasse stach besonders hervor: eine grosse spätbronzezeitliche Grube (Abb. 2) mit umfangreichem Inventar, darunter hauptsächlich Keramikscherben, aber auch eine Gewandnadel – leider ohne Kopf – aus Bronze, ein steinerner Netzsenker, zwei Süsswassermuscheln mit Perlmutt und zwei Fragmente eines sogenannten Mondhorns (Abb. 3). Spätbronzezeitliche Funde waren aus dem Gebiet schon einige bekannt, insbesondere ein Mondhorn, das 1984 in der Kartausgasse gefunden wurde, etwa 35 m Luftlinie von der Fundstelle an der Rebgasse entfernt. In den jüngsten Untersuchungen waren immer wieder einzelne Funde und unscheinbare Befunde dieser Epoche entdeckt worden. Die Vermutung, dass sich die dazugehörige Siedlung im Gebiet der Theodorskirche befand, war zwar gerechtfertigt, aber vage. Die neu gefundene Grube ist jedoch alles andere als unscheinbar. Sie hat einen Durchmesser von 1.70 m und eine erhaltene Tiefe von 1.10 m (Abb. 2). Mehrere Verfüllungen wurden übereinander eingebracht. Auch die Keramikscherben wurden in mehreren Lagen deponiert. Die grossen Fragmente und die beinahe ganzen Gefässe scheinen sorgfältig niedergelegt worden zu sein. Etwa 450 Fundobjekte, die meisten davon Keramikscherben, wurden freigelegt und eingemessen. Aus einer mächtigen, nahezu sterilen Schicht stammt die bereits erwähnte Gewandnadel aus Bronze. Etwa mittig in der Grube trennte eine Schicht aus Lehm, vermutlich Reste einer Wand, eines Herdes oder Bodens, vermischt mit kleinen Geröllen die oberen von den unteren Verfüllungen.

Das Keramikspektrum umfasst viele langlebige Formen der Spätbronzezeit. Einige wenige Formen lassen sich der Zeit um 1000 v. Chr. (± 50 Jahre) zuweisen (Abb. 4). Einzelne Gefässe sind fast vollständig, andere stark fragmentiert in die Grube gelangt. Unter den Formen sind Töpfe, Schalen, (Schulter-) Becher, Henkeltöpfe und bauchige Tassen vertreten sowie eine Sonderform: eine flache längliche Platte mit Fingertupfen auf der Bodenfläche. Die Dekortypen sind ebenfalls zahlreich. Erwähnenswert ist vor allem ein kleiner schwarzer Schulterbecher, dessen Halspartie vier horizontale Rillen aufweist (Abb. 3). In diesen wurden vermutlich Metalleinlagen oder Schnüre als Verzierung fixiert. Die Funde aus der Grube sind an sich beachtenswert, ihre Auswertung in der Gesamtschau mit dem Befund und den Proben wird sicher weiterführende Erkenntnisse zu bronzezeitlichen Riten ermöglichen.