LK 1112, 2704180 / 1232710. Höhe 408 m.
Datum der Grabung: 17.6.2015-29.2.2016; Baubegleitung bis Ende März 2016.
Bibliografie zur Fundstelle: R. Ackermann, Der römische Vicus von Kempraten, Rapperswil-Jona. Neubetrachtung anhand der Ausgrabungen Fluhstrasse 6-10 (2005-2006). Archäologie im Kanton St. Gallen 1. St. Gallen 2013; R. Ackermann/P. Koch, Römische Kalkbrennereien im Vicus von Kempraten (Rapperswil-Jona SG), Minaria Helvetica 35 (2005), 55-89, bes. 78; S. Lo Russo/R. Ackermann/H. Flück et al., Preliminary results from the Mithraeum discovered at Kempraten (CH) in 2015/16. In: Symposium Peregrinum Tarquinia 2016. Acta Antiqua (in Vorb.); JbAS 99, 2016, 206 f.
Geplante Notgrabung (Neubauprojekt). Grösse der Grabung 1100 m². Siedlung.


Die Ausgrabungen der Kalköfen und des rund 8 × 10 m grossen, Nord-Süd orientierten Mithräums wurden fortgeführt und erfolgreich abgeschlossen (JbAS 99, 2016, 206f.). Die komplexe stratigrafische Abfolge der Bauphasen konnte verfeinert werden (Abb 37): Die Anlage wurde in die zu den Öfen gehörigen Abraumhalden eingebaut. Zudem wurde der Fels im Norden des Gebäudes, an der Stirn des Kultraumes, zurückgeschlagen. Derzeit lassen sich drei Bauphasen unterscheiden. Ursache der Umbauten waren Brandereignisse. Die West-, Süd- und Ostmauern blieben in allen drei Phasen bestehen. Der Innenausbau sowie der nördliche Gebäudeabschluss (hier blieb lediglich die jüngste Phase erhalten) hingegen wurden verändert.

Schon in der ersten Phase bestanden die seitlichen Liegebänke (Breite ca. 2 m). Die östliche Bank erreichte man über eine Rampe von der Südostecke her; bei der westlichen war die Lösung anders (noch unklar). Der Mittelgang war meist bis auf den Fels ausgehoben worden. In einem seichten Kanal wurde das im Norden aus dem Fels austretende Hangwasser gefasst und zentral durch die Südmauer hinausgeführt. Verkohlte Bretter deuten auf einen darüber verlegten Holzboden.

In der zweiten Phase wurden die seitlichen Liegebänke um ca. 30 cm verbreitert und damit der Mittelgang verengt. In deren neu errichteten Frontmauern wurden Altarfragmente als Spolien eingebaut sowie ein Altar sichtbar eingelassen. Auch in der zweiten Phase bestand im Mittelgang ein Bretterboden.

Nach dem Brand am Ende der zweiten Phase wurde der nördliche Bereich des Mittelgangs mit Altären, einer weiteren Inschrift und möglichen Fragmenten des Kultbildes verfüllt. Punktuelle Fundationen, die Errichtung der Nordmauer sowie über den Verfüllungen des Mittelganges liegende Nutzungsschichten beweisen die weitere Nutzung des Gebäudes. Zwei grosse Fragmente des Kultbildes (wohl mit Darstellung des Mithras) sowie ein Lavezaltar mit Widmung an Mithras belegen seine fortlaufende Funktion als Mithräum. Auch ein grösseres angrenzendes Areal wurde untersucht. Das Kultgebäude war auf der Nord- und Ostseite, möglicherweise auch auf der Westseite, durch einen unmittelbar anliegenden Graben eingefasst, dessen primäre Aufgabe wohl die Ableitung des Hangwassers war. Die Zugehörigkeit weiterer Strukturen (u.a. Gruben) zum Mithräum wird in einer vertieften Analyse zu überprüfen sein. Die Auswertung, besonders jene der älteren Kalköfen, wird auch entscheidende Hinweise für den Zeitpunkt der Errichtung des Kultbaus liefern. Aufgrund der Münzkurve bestand letzterer mit Sicherheit im späten 3. Jh. Der Umbau zur dritten Phase erfolgte frühestens im spätesten 4. Jh. Der Zeitpunkt der endgültigen Auflassung muss ebenfalls noch präzisiert werden.

Im Hinblick auf eine interdisziplinäre Auswertung wurde eine intensive Probenstrategie für Archäobiologie und Geoarchäologie umgesetzt. Für horizontalstratigrafische Analysen wurden die Funde und Proben im Innern des Mithräums zusätzlich zum strukturbezogenen Vorgehen in Viertelquadratmetern geborgen. Im Sommer startete ein Vorprojekt, um Mikromorphologie- und Schlämmproben aufzubereiten, Funde zu säubern und zu konservieren bzw. erste Bestimmungen (insbesondere der rund 500 Münzen) durchzuführen.


Archäologische Funde: Keramik, Metallfunde, Münzen, Glas, Lavez, Bergkristall, Steinplastik (meist unbearbeitet).
Faunistisches Material: zahlreiche Tierknochen, meist unbearbeitet. Probenentnahmen: Mikromorphologie, Archäobiologie, C14, Dendrochronologie, Mörtel, Stein, meist unbearbeitet.
Sonstiges: Inschriften, unbearbeitet.
Datierung: archäologisch; numismatisch. 1.-4. Jh.
KA SG, R. Ackermann und S. Lo Russo.