LK 1091, 2699 150/1262635. Höhe 473 m. Datum der Grabung/Bauuntersuchung: 18.9.2018-16.8.2019. Bibliografie zur Fundstelle: B. Hedinger et al., Beiträge zum römischen Oberwinterthur - Vitudurum 9. Ausgrabungen auf dem Kirchhügel und im Nordosten des Vicus 1988-1998. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 35. Zürich/Egg 2001. Geplante Sondierung und Bauuntersuchung (Bauvorhaben). Grösse der Grabung 23 m². Römischer Vicus und Befestigungsanlage, mittelalterliche und neuzeitliche Siedlung.
Das kommunal denkmalgeschützte ehemalige Bauernhaus an der Hohlandstrasse 4 und das angebaute Wohngebäude an der Hohlandstrasse 6, einst ebenfalls ein Bauernhaus, sollen umgebaut und renoviert werden. Da sich die Liegenschaften auf dem heutigen Kirchhügel an prominenter Lage in der Nähe der Kirche St. Arbogast, aber auch im nordwestlichen Teil des damaligen Zentrumsquartiers des römischen Vicus Vitudurum befinden, musste mit Strukturen und Schichten aus den ersten vier Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, aber auch aus jüngeren Epochen gerechnet werden. Aufgrund des bekannten Verlaufs der spätrömischen Befestigungsmauer war ein weiteres Stück dieser Mauer unter dem Wohnbereich der Liegenschaft Hohlandstrasse 4 zu erwarten. Die Kantonsarchäologie entschloss sich, im Vorfeld der Umbau- und Renovationsarbeiten mittels Sondierungen den Verlauf sowie den Zustand der Befestigungsmauer zu klären. Das Resultat war beeindruckend, denn die um 294 n. Chr. errichtete Mauer ist im bis heute nicht unterkellerten Bereich lediglich 15 cm unter dem heutigen Bretterboden auf einer Länge von rund 7 m in gutem Zustand erhalten. Die Breite des wohl vollständig gemörtelten Fundaments - aufgehendes Mauerwerk ist nicht mehr vorhanden - beträgt hier etwa 3.25 m, und es dürfte stellenweise bis in eine Tiefe von 1.4 m erhalten sein. Die Fundamentgrube der Befestigungsmauer durchschlug eine Schicht, die am Ende des 2. und im 3. Jh. n. Chr. als Vorplatz eines großen, wohl öffentlichen Bauwerks diente, sowie eine Zerstörungsschicht. Letztere entstand im Rahmen der Schleifung der Steingebäude im Zentrumsquartier, kurz bevor mit dem Bau der Befestigungsmauer begonnen wurde.
Im Anschluss an die Sondierungen erfolgte die bauhistorische Untersuchung (inkl. dendrochronologische Datierungen) der Liegenschaften Hohlandstrasse 4 und 6. Eine Flächengrabung wird nach Vorliegen eines definitiven Umbauprojekts durchgeführt werden. Als ältester Bauteil ist in den Häusern Hohlandstrasse 4-6 ein 56 m² großer, länglicher Keller überliefert, der bereits ursprünglich zwei Zugänge hatte - wohl wie heute einen Außen- und einen Innenzugang. Der Bau des Kellers datiert vor 1513, eine an die Kellermauern heranziehende Schicht enthält Fundmaterial des 15. Jh. Spätestens mit dem Bau des Kellers war die spätrömische Befestigungsmauer im unterkellerten Bereich vollständig, im angrenzenden Gebäudeteil bis auf das Fundament abgetragen worden. Dabei wurden gemäß den Aufschlüssen der bislang vorgenommenen Sondierungen alle älteren Schichten bis auf die erwähnte Zerstörungsschicht des 3. Jh. n. Chr. abgetragen.
Im Jahr 1513 wurde über dem Keller ein großes, spiegelsymmetrisches Doppelhaus in Bohlenständerbauweise errichtet. Beide dieser sog. Vielzweckbauernhäuser hatten einen Wohnbereich, ein Tenn und eine Stallscheune unter einem Walmdach. Es handelt sich um eine für die Region typische Architektur, die Wohnen, Viehhaltung und Lagerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse platzsparend vereinte. Der dreiraumtiefe und zweigeschossige Wohnbereich wies eine Stube, drei Kammern und eine offene Rauchküche auf. Die Erschließung der Räume erfolgte über das Tenn und die Küche. Im Zuge eines Umbaus wurde um 1602 die Scheidemauer zwischen Hohlandstrasse 4 und 6 erneuert. Sie bestand fortan aus Fachwerk mit Steinausfachung. Ein Drittel der Fläche des Tenns der Liegenschaft Hohlandstrasse 4 wurde 1741 mit einem zweigeschossigen Einbau ausgestattet. Dieser in Fachwerk errichtete Einbau könnte ursprünglich als Speicher für landwirtschaftliche Produkte oder anderes mehr gedient haben. Spätestens ab 1812 diente er aber als Wohnraum. Im selben Jahr wird die Hohlandstrasse 4 erstmals anlässlich der Einführung der Gebäudeassekuranz archivalisch fassbar. Das Bauernhaus an der Hohlandstrasse 6 wurde 1812 als «Haus, 1 / 2 Riegel, 1 / 2 Holz und Scheune, Holzbau» ebenfalls erstmals in den Lagerbüchern der kantonalen Brandassekuranz erfasst. Bis dahin war es wohl nach wie vor ein Vielzweckbauernhaus. Ab 1832 wird es als «Wohnhaus und Scheune» bezeichnet. Von da an dürfte die Liegenschaft schrittweise in das heutige Zweifamilienwohnhaus umgebaut worden sein. 1896 wird die 1812 erwähnte Scheune im Zuge des Neubaus der Hohlandstrasse 8 abgebrochen. Heute dient dieser Bereich als großer Vorplatz zu den beiden Bauten an der Hohlandstrasse 6 und 8.
Archäologische Funde: Keramik, Baukeramik, Münzen, Metall, Glas. Faunistisches Material: Tierknochen. Datierung: archäologisch. Römische Zeit, 1.-4. Jh.; Mittelalter-Neuzeit, 15.-19. Jh. dendrochronologisch. 1513; 1602.
KAZH, M. Roth und B. Zollinger.
Winterthur ZH, Oberwinterthur, Hohlandstrasse 4-6
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Details of the chronicle
Municipality
Winterthur
Canton
ZH
Location
Oberwinterthur, Hohlandstrasse 4-6
Coordinates
E 2699150, N 1262635
Elevation
473 m
Site reference number
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Cantonal intervention number
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New site
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Sampling
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analyses
dendrochronology
Discovery date
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Surface (m²)
23 m2
Start date
18 September 2018
End date
16 August 2019
Dating method
dendrochronological, archaeological
Publication year
2020
Period
Middle Ages, Middle Ages, Roman Era
Site type
settlement, infrastructure (military_installations )
Type of intervention
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Archaeological finds
ceramic, glass, metal (coins/medals), organic material
bones
animal bones (dispersed)
Botanical material
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