Wegen Steinschlaggefahr muss der Turm von Schloss Arbon saniert werden. Bereits 2014 erstellte eine private Firma im Auftrag der Gemeinde mittels Oberflächenscan eine Planaufnahme der vier Turmfassaden. Die steingerechte Umzeichnung erfolgte seinerzeit allerdings nicht am Bau. Seit 2025 ist der 33 m hohe Turm eingerüstet und es bot sich die Gelegenheit, die bisherigen Pläne zu kontrollieren und zu überarbeiten. Die neue Bauuntersuchung brachte einen deutlichen Erkenntnisgewinn bezüglich der zahlreichen Gerüstlöcher, der Petrografie und Bearbeitungsspuren an den Steinen.  Zudem wurden hölzerne Elemente dendrochronologisch beprobt.

Insgesamt wurden 2888 Mauersteine makroskopisch begutachtet und petrografisch bestimmt. Die Mehrzahl (89.4%) besteht aus verschiedenen Sandstein-Varietäten (grob, feinkörnig, fossilführend). Diese stehen in der Region Rorschach an. Die Quader dürften auf dem Seeweg zum Schlosshügel von Arbon transportiert worden sein. Findlinge wurden nur selten – und v.a. im untersten Turmabschnitt – verbaut. Diese bestehen aus alpinen Kalken, Gneisen und Bündner-/Chloritschiefern, Graniten, Grüngesteinen und Quarziten. Hinweise auf die Verwendung römischer Spolien aus dem Kastell Arbor felix fehlen. Interessant sind brandgerötete Sandsteine, die direkt neben unversehrten verbaut sind. Allenfalls wurden hier Steine von abgebrannten Gebäuden sekundär wiederverbaut.

Das Mauerbild des Turms zeigt deutlich drei Abschnitte. Der untere Abschnitt (bis Lage 26) ist lagig aus grob behauenen Sandstein-Findlingen sowie erratischen Blöcken mit Kalkmörtel verbaut. Der Mittelteil (Lagen 27–54) besteht aus zugehauenen, oft bossierten Quadern in abwechselnden Lagen aus grobem, grauem Sandstein und feinerem, grünlichem Sandstein. Die Fugen stossen sauber aufeinander. Der oberste Mauerabschnitt ist verputzt, es sind mindestens zwei Putzphasen feststellbar. Auf dem älteren Putz finden sich an der Ostfassade stellenweise noch Reste einer schwarzen Bemalung mit breiten weissen Fugenstrichen, sowohl horizontal als auch vertikal. Nach einem Brand wurde der oberste Mauerabschnitt aufgestockt und das Dach um 1424 (dendrodatiert) errichtet. Die Ausbrüche im obersten Abschnitt dürften um 1520 entstanden sein, wie die Jahreszahl auf dem Sturz einer Öffnung an der Ostfassade nahelegt. Bischof Hugo von Hohenlandenberg (1457–1532) liess damals wohl die obersten Turmstockwerke umbauen. Die farbige Bemalung dürfte in diese Phase des 16. Jahrhunderts gehören. 

14 Bauhölzer aus dem Dachstuhl und der Blocktreppe wurden dendrochronologisch analysiert und datiert. Die verwendeten Eichen und Fichten wurden alle im Jahr 1424 gefällt.