Im historischen Kern von Haldenstein, am südwestlichen Rand des Dorfplatzes, musste der Grossteil eines Gebäudekomplexes, dessen Kern ins 15./16. Jh. datiert, dem geplanten Neubau eines Einfamilienhauses weichen. Der älteste Teil soll aber erhalten bleiben und in den Neubau integriert werden. Bei der eingeleiteten Rettungsgrabung des Archäologischen Dienstes Graubünden (ADG) konnten unter neuzeitlichen Mauerresten Siedlungsbefunde aus dem Frühmittelalter und der späten Eisenzeit sowie zahlreiche römische Funde dokumentiert werden.
Unter den beim Dorfbrand 1825 abgegangenen und dem ADG grösstenteils schon bekannten Mauerzügen befand sich – abgedeckt von einer massiven Sedimentschicht – eine mit Steinplatten eingefasste, rechteckige Feuerstelle mit angrenzendem Werkplatz aus flachen, gesetzten Steinen. Die zahlreichen dünnen Holzkohle- und Ascheschichten um die Feuerstelle zeugen von einer regen Benutzung. In ihrem Innern erhielten sich die Reste des letzten Brandes in Form von Asche und verkohlten Holzstücken. Die 14C-Analyse eines dieser verkohlten Hölzer datiert die Feuerstelle ins 6.–7. Jh. (BE-26524.1.1, 1447 ± 24 BP, 579-650 AD, cal. 2σ). Ihre Lage in einer leichten Senke sowie die zahlreichen Staketenlöcher um sie herum, lassen an ein frühmittelalterliches Grubenhaus denken.
Mehrere im rechten Winkel zueinander angelegte Balkengräben unter der Feuerstelle weisen auf einen älteren Holzbau an dieser Stelle hin. In diesen Kontext gehören auch vier Grablegungen von Neugeborenen. Zwei der Gräber befanden sich innerhalb der Balkennegative, die beiden andern in unmittelbarer Nähe dazu. Letztere waren zudem mit einem Steinkranz eingefasst. Die Gräber stammen gemäss der 14C-Analyse ebenfalls aus dem 6.–7. Jh. (BE-26521.1.1, 1424 ± 23 BP, 598-655 AD, cal. 2σ).
Über die frühmittelalterlichen Befunde zog eine vermutlich umgelagerte bzw. angeschwemmte Schicht, aus der zwei gut erhaltene Fibeln und mehrere römische Keramikfragmente stammen. Es handelt sich neben einem zerbrochenen Kragenrandgefäss vorwiegend um stark fragmentierte Terra Sigillata. Sowohl die Keramik als auch die Fibeln können typologisch der römischen Kaiserzeit des 1. Jh. zugeordnet werden.
Als älteste Befunde wurden mehrere Gruben unterschiedlicher Grösse dokumentiert. Sie sind aus einer mit Steinen und Holzkohleflittern durchsetzten Schicht in das darunter liegende Kolluvium eingetieft. Die 114C-Analyse der Holzkohle sowohl aus dem Ausgangsniveau (BE-26522.1.1, 2026 ± 24 BP, 95 BC-63 AD, cal. 2σ) als auch aus der Verfüllung einer der Gruben (BE-26523.1.1, 2052 ± 24 BP, 151 BC-21 AD, cal. 2σ) weist auf einen La-Tène-zeitlichen Horizont hin.
Im hangseitigen Bereich der Parzelle greifen die Reste eines Ökonomiegebäudes mit einstigem Bretterboden bis in die anstehenden Schichten ein. Eine genaue Datierung ist aufgrund der fehlenden Funde allerdings noch ausstehend. Der Holzbau dürfte aber frühestens ins ausgehende Mittelalter, eher aber in die frühe bis mittlere Neuzeit zu setzen sein. Der stark phosphorhaltige Boden in diesem Bereich zeugt von einer intensiven Nutzung.
