Östlich von Bolligen erhebt sich der Hügelzug Stockere, der nördlich des Weilers Flugbrunnen einen markanten Sporn aufweist. Auf diesem Sporn liegt die Burgstelle Flugbrunnen. Sie ist als solche auf den Landeskarten bezeichnet und im archäologischen Fundstelleninventar des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern (ADB) eingetragen. Das 90 m2 grosse Plateau auf dem Hügelsporn wurde bergseitig mit zwei Wällen und Gräben künstlich in ein Erdwerk umgestaltet.
Im Jahr 1913 entdeckte der Gymnasiallehrer Fritz Mühlethaler auf dem Hügel nördlich von Flugbrunnen eine Silexpfeilspitze und Keramikscherben. 25 Jahre später motivierte er vier Schüler, darunter den späteren Archäologen Hans-Georg Bandi, auf der Fundstelle zu schürfen. Bei zwei Exkursionen fanden sie am Rand des Plateaus eine Trockenmauer sowie ein Steinbeil, zwei weitere Silices, einen «Reibstein» und rund vierzig Scherben. Theophil Ischer bestimmte die Funde als neolithisch, die Keramikscherben sind im Inventar des Bernischen Historischen Museums jedoch als bronzezeitlich bezeichnet (BHM Inv. 42 846–42 853). In den Jahren 1985 und 1999 wurden dem Archäologischen Dienst weitere, unterschiedlich datierte Scherben (neolithisch und bronzezeitlich) und 2018 ein Silexabschlag von der Fundstelle übergeben.
Im April 2024 wurden Schäden der Anlage festgestellt, die durch waldwirtschaftliche Massnahmen, hauptsächlich eine Rückegasse, verursacht worden waren. Der äussere Wall war durchschnitten und der vorgelagerte Graben aufgefüllt. Damit Erosion nicht auch die letzten Wallreste zerstören würde, liess der ADB die Geländestruktur Anfang Oktober 2025 wiederherstellen. Zuvor wurde ein Sondierschnitt von fast 15 m Länge angelegt, das Südostprofil untersucht und Proben für die Radiokarbondatierung entnommen.
Im Graben wurde die Sandsteinmolasse erreicht. Der Fels steigt in Stufen zum Plateau an, wobei unklar ist, ob die Oberfläche durch Verwitterung oder absichtlichen Abbau entstanden ist. Direkt auf dem Sandstein liegt oben auf dem Plateau eine 50 cm mächtige Kulturschicht mit horizontaler Oberkante. Daraus stammen zwei schwer bestimmbare Keramikscherben, Hitzesteine sowie Holzkohlen. Zum Graben hin endet die Kulturschicht in einer Abbruchkante. Der Höhenunterschied zwischen Grabensohle und erhaltener Schichtoberfläche beträgt 2,4 m. Die Radiokarbondatierung einer Holzkohle aus dieser Schicht ergibt ein Datum um 3000 v. Chr., also im Spätneolithikum.
Diejenigen Schichten, die oberhalb der aus dem Neolithikum stammenden Kulturschicht liegen, bestehen aus feinem und sauberem Sand. Sie unterscheiden sich nur geringfügig in ihrer Farbe und Konsistenz. Es könnte sich um aufgeschichtetes Material handeln, das zur Bildung eines grösseren Walls am Rand des Plateaus diente. Zuoberst verläuft eine Schicht, die den Graben, die Böschung und das Plateau bedeckt. Hier beträgt der Höhenunterschied zwischen tiefstem und höchstem Punkt 3,5 m. Am Rand des Profilschnittes auf dem Plateau befindet sich eine Trockenmauer, die den Erdwall zusätzlich befestigt – eine Bestätigung des Befundes von 1937. Die radiokarbondatierten Holzkohleproben aus diesen Schichten stammen aus der Frühbronzezeit: zwei Proben aus den beiden Schichten über der neolithischen Kulturschicht um 1900–1780 v. Chr., eine Probe aus der stratigrafisch jüngeren Schicht mit der Trockenmauer um 1600–1540 v. Chr. Damit gibt es weiterhin keine Hinweise auf eine mittelalterliche Nutzung dieses Erdwerks. Sowohl Funde als auch Radiokarbondaten belegen eine Besiedlung und einen Ausbau dieses gut geschützten und aussichtsreichen Platzes hoch über dem Worbletal während mehrerer Jahrhunderte im Neolithikum und in der Bronzezeit.
