LK 1153, 2723716/1211390. Höhe 473 m.
Datum der Grabung: 2.-4.6.2015.
Bibliografie zur Fundstelle: H.R. Sennhauser, Ergebnisse der Ausgrabung St. Hilarius und Fridolin zu Glarus. Unsere Kunstdenkmäler: Mitteilungsblatt für die Mitglieder der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte 21, 1970, 19-24.
Ungeplante Notgrabung (Fernwärmeleitung). Grösse der Grabung 20 m². Siedlung.
Die alte Stadtkirche lag an Stelle des heutigen Gerichtshauses. Beim Brand von Glarus 1861 wurde sie zerstört und an anderer Stelle neu erbaut. Bei Grabungen 1961 wurden Reste des Kirchturms nordwestlich des Gerichtsgebäudes freigelegt. Bei Leitungsgrabungen im Innenhof des Gerichtsgebäudes wurden 1968 zahlreiche Mauerreste und Strukturen entdeckt, die zu verschiedenen Kirchenbauten gehören.
Demnach lagen der Chor der ersten Kirche, welche ins 7./8. Jh. datiert, und alle Chöre der Folgebauten im heutigen Innenhof des Gerichtsgebäudes. Ein Mauerrest der Westmauer des Schiffes wurde in einer kleinen Fläche vor dem Gerichtshaus dokumentiert. Die damals freigelegten Mauerzüge sind heute in Form von Pflastersteinreihen im Vorgarten des Gerichtshauses sowie im Innenhof angedeutet. Der Friedhof der Kirche lag östlich des Chores, dort wo sich heute der Spielplatz befindet.
Im April 2015 wurde im Vorgarten des Gerichtsgebäudes ein grosser Fernwärmeleitungsgraben eingezogen. Bei einem Augenschein entdeckte die Archäologie des Kantons Reste von Mauern und mit Knochen durchsetzte Schichten im nordwestlichen Bereich des Grabens, im südwestlichen Grabenbereich befand sich eine grosse Menge von Brandschutt. Dieser wird mit dem Brand von Glarus 1861 in Zusammenhang gebracht. Die brandgeschädigten Häuser sowie die Kirche wurden damals niedergerissen, der Schutt als Planie verteilt. In und auf diesem Schutt entstand das neue Glarus.
Die Mauerreste im nordwestlichen Bereich zusammen mit den Grabungsergebnissen von 1961/1968 legen eine Interpretation als weitere Westmauer der damals wiederentdeckten Kirche St. Hilarius nahe. Demnach verlief die neu entdeckte Mauer im Abstand von ca. 7 m zur damals gefassten Westmauer. Menschliche Knochen befanden sich offenbar zu beiden Seiten, also im Kircheninnern wie auch ausserhalb der Kirche. Ein in situ aufgefundenes Skelett weist eine Ost-West-Orientierung auf und lag demnach im Kircheninnern. Ein räumlicher Bezug zur neu entdeckten Mauer ist offensichtlich.
Archäologische Funde: geschmolzenes Glas, Keramik, Ofenkeramik, Lehm, Ziegel, diverse Eisen- und andere Metallobjekte.
Anthropologisches Material: menschliche Knochen in situ und als Verfüllung.
Datierung: archäologisch; archivalisch. Mittelalter; Neuzeit.
Hauptabteilung Kultur GL, M. Widmer.
Glarus GL, St. Hilarius
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Detail des Fundberichts
Gemeinde
Glarus
Kanton
GL
Ort
St. Hilarius
Koordinaten
E 2723716, N 1211390
Höhe
473 m
Signatur Fundstelle Kanton
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Signatur Ereignis Kanton
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Neue Fundstelle
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Probenentnahmen
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Analysen
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Institution
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Datum der Fundmeldung
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Oberfläche (m2)
20 m2
Datum Beginn
02 Juni 2015
Datum Ende
04 Juni 2015
Datierungsmethoden
Archäologisch
Autor*in
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Publikationsjahr
2016
Epoche
Mittelalter, (Frühe) Neuzeit, Zeitgenössisch
Art der Fundstelle
Siedlung
Art der Untersuchung
Ausgrabung (Rettungsgrabung)
Archäologische Funde
Glas, Keramik, Stein (architektonisches Element), Metall (Werkzeug), organisches Material (Kleidungsbestandteil)
Knochen
vereinzelte menschliche Knochen
Botanische Funde
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