LK 1131, 677 776/228 945. Höhe 425 m.
Datum der Sondierung/Grabung: 14.4.-16.4. und 10.6.-19.12.2014.
Bibliografie zur Fundstelle: JbSGUF 1966/67, 100f.; Tugium 9, 1993, 19; 11, 1995, 26; 12, 1996, 22; J.N. Haas/W.O. van der Knaap/J.F.N. van Leeuwen, Der Bibersee in der Nähe von Cham-Oberwil. In: U. Gnepf/S. Hämmerle, Cham-Oberwil, Hof (Kanton Zug). Befunde und Funde aus der Glockenbecherkultur und der Bronzezeit. Antiqua 33, 181-199. Basel 2001; Tugium 20, 2004, 30; M. Beckmann, Pollenanalytische Untersuchung der Zeit der Jäger und Sammler und der ersten Bauern an zwei Lokalitäten des Zentralen Schweizer Mittellandes. Umwelt und erste Eingriffe des Menschen in die Vegetation vom Paläolithikum bis zum Jungneolithikum. Dissertationes Botanicae 390. Stuttgart 2004; Tugium 22, 2006, 20; E. Roth Heege, Früh- und hochmittelalterliche Fischfanganlagen am Zugersee: Ergebnisse der Rettungsgrabungen Sumpfstrasse-West 1998/99. In: B. Röder/R. Huber (Hrsg.) Archäologie in Steinhausen «Sennweid» (Kanton Zug). Ergebnisse der Untersuchungen von 1942 bis 2000. Antiqua 41, 181-197. Basel 2007.
Sondierung/Notgrabung (Renaturierung). Grösse 5000 m². Fischereianlagen.
Beim Bibersee handelt es sich um ein Feuchtgebiet im Bereich eines verlandeten Sees in einer Drumlinlandschaft. Eingehende Untersuchungen seiner Sedimente haben ergeben, dass der See mindestens 10000 Jahre alt ist und die in den Ablagerungen enthaltenen Makroreste und Pollen Aufschluss über die menschliche Besiedlung und die klimatischen Verhältnisse seit der letzten Eiszeit geben. Rund um das ehemalige Gewässer sind Lesefunde unterschiedlicher Zeitstellung bekannt. Auf ca. 5000 m² wurde dieses Gebiet nun mitsamt dem hindurchlaufenden Tobelbach aufgeweitet und renaturiert. Die geplante Ausbaggerung des Seebeckens wurde durch das Amt für Denkmalpflege und Archäologie von Anfang an eng begleitet. Bereits im ersten, als Sondiergraben angelegten, Schnitt durch das Gelände wurden erste Flechtwerkteile und eine Reuse, sowie tierische und menschliche Knochen freigelegt.
Im Laufe der nachfolgenden Untersuchung wurden im Bereich des verlandeten Sees in torfigen und siltigen Ablagerungen zahlreiche Befunde und vor allem organische Funde ausgegraben. Eine besonders gut erhaltene Reuse mit einer Grösse von ca. 1.5 × 1.8 m, bestehend aus ca. 3 mm dicken Ruten (Abb. 39) sowie einem an beiden Enden gelochten Stab, der möglicherweise zum Aufspannen der Reusenöffnung gedient hatte, wurde als Block geborgen. Die C14-Datierung des Objekts ergab einen Datierungsbereich im 12. Jh. (Abb. 40). In der letzten Grabungswoche wurde zudem ein ehemals rund 6 m langer Einbaum aus Eichenholz entdeckt, der ein dendrochronologisches Datum vom Ende des 15. Jh. geliefert hat (1376-1457 n.Chr., nur Kernholz). Das Fahrzeug wurde als Ganzes geborgen.
Im Zusammenhang mit der offensichtlich intensiven Fischereitätigkeit, welche die Nutzung des Bibersees im Mittelalter geprägt haben dürfte, steht wohl auch der behelfsmässige und mehrmals neu befestigte Prügelweg, der am Rande des Sees angelegt wurde. Zum einen wurden hier Steinblöcke unterlegt, zum anderen grob zugehauene Stämme, die in mindestens 3 Lagen übereinander nachgewiesen sind. Dem Weg entlang fanden sich grosse Mengen von Tierknochen. Sie waren zum Teil stark zerkleinert (Markgewinnung) und lagen bisweilen dicht konzentriert. Es könnte sich dabei um die Spuren von in wenig tiefen Gruben entsorgtem Schlachtabfall handeln. Die Gruben jedenfalls zeichnen sich im torfigen Boden heute nicht mehr ab und lassen sich so nur indirekt nachweisen.
Die erwähnten Menschenknochen lagen meist nicht im anatomischen Verband. Einige davon gehören zum selben, über 35-jährigen männlichen Individuum, andere sind noch nicht bestimmt und zugewiesen. Sie könnten während der Verwesung im Wasser auseinandergetragen worden sein.
Eine frühmittelalterliche Lanzenspitze mit Rillen- und Kreisaugenverzierung aus Eisen zeigt die früheste mittelalterliche Nutzungsphase an. Eine Pferdetrense aus Eisen, deren Datierung ins Früh- oder Hoch-/Spätmittelalter noch nicht gesichert ist, passt zum Fund von einzelnen Pferdeknochen. Weiter wurden zwei eiserne Äxte geborgen, die eventuell in Zusammenhang mit der Konstruktion des erwähnten Weges zu sehen sind. Die Datierung eines Holmrests aus Buchenholz im Auge der einen Axt weist ins 14. Jh. oder in den Anfang des 15. Jh. (Abb. 40). Noch jüngere Funde sind gerollte Bleiplättchen, die vermutlich von den Unterleinen von Netzen, die sie beschwerten, stammen. Angeltätigkeit ist durch zahlreich gefundene Angelhaken belegt.
Die vielen der Fischerei zuweisbaren Funde zeigen, dass der Bibersee über lange Zeit ein intensiv für diese Tätigkeit genutzter Ort gewesen ist. Die meisten Funde, insbesondere die vielen bearbeiteten Hölzer, sind bisher noch gar nicht bestimmt und lassen noch einige Überraschungen erwarten. Ganz ähnliche Funde und Befunde, etwas älteren Datums allerdings, sind aus dem verschwundenen Feuchtgebiet am Nordufer des Zugersees in Steinhausen bekannt.
Auch der Biber – er hat dem Gebiet den Namen gegeben – hat sich durch Frassspuren mehrfach verewigt. Möglicherweise ist der häufige Wechsel von Verlandungshorizonten und Seeablagerungen auf stark wechselnde Seespiegelstände zurückzuführen, die vom Biber und seinen Stauaktivitäten zumindest mitgestaltet wurden.
Ferner sind eine grosse bronze-/eisenzeitliche Bodenscherbe, verschiedene Wandscherben sowie als besonderer Fund ein unter Gräfin Isabelle (1373-1395) geprägter Angster der Grafschaft Neuenburg zu erwähnen.
Archäologische Funde: Keramik, Holz, Metall, Knochen, Münze.
Probenentnahmen: Mikromorphologie, Makroreste, Dendrochronologie, C14.
Datierung: archäologisch; numismatisch; C14. Bronzezeit; Eisenzeit; Römische Zeit; Früh-, Hoch- und Spätmittelalter; Neuzeit.
ADA ZG, St. Doswald, K. Weber, I. Hajdas, R. Huber, S. Meyer, Ph. Rentzel, G. Schaeren, M. Schmidhalter, W. Schoch und J. Zellweger.
Cham ZG, Bibersee
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Detail des Fundberichts
Gemeinde
Cham
Kanton
ZG
Ort
Bibersee
Koordinaten
E 2677776, N 1228945
Höhe
425 m
Signatur Fundstelle Kanton
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Signatur Ereignis Kanton
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Neue Fundstelle
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Probenentnahmen
Holz/Holzkohle, Botanische Reste, Geoarchäologische Sedimentproben
Analysen
¹⁴C, Dendrochronologie, Mikromorphologie
Datum der Fundmeldung
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Oberfläche (m²)
5000 m2
Datum Beginn
14 April 2014
Datum Ende
16 April 2014
Datierungsmethoden
¹⁴C, Dendrochronologisch, Numismatisch, Archäologisch
Publikationsjahr
2015
Epoche
Mittelalter, Bronzezeit, Römische Epoche, Eisenzeit
Art der Fundstelle
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Art der Untersuchung
Ausgrabung (Sondage)
Archäologische Funde
Keramik, organisches Material (Holzobjekt), Metall, organisches Material, Metall (Münze(n)/Medaillen)
Knochen
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Botanische Funde
Holz/Holzkohle
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