Der Stadtmauerring von Murten besitzt eine unregelmässige Vierecksform und ist fast vollständig erhalten. Auch die zugehörigen Türme sind weitgehend intakt. Der Baubeginn dieser Wehranlage reicht ins Jahr 1238 zurück, als König Konrad IV. der Bevölkerung von Murten für vier Jahre die Steuern erliess. Im Gegenzug mussten die Bürger ihre Stadt ummauern. Aus dieser frühen Phase, die bis ans Ende des 13. Jahrhunderts reicht, haben sich zu grossen Teilen drei Türme erhalten. Jüngeren Datums ist der Schaalturm, der östlich des in der Südwestecke der Stadtmauer befindlichen roten Turms steht (Abb. 1). Detailgenaue Rechnungsbücher geben als Baujahr 1523 an und erwähnen keinen Vorgängerbau. Eine Sanierung der Aussenhülle und des Dachs ergab die Möglichkeit, die Arbeiten zu begleiten und die Konstruktion zu dokumentieren. Der ganze Turm samt Verstärkungen der Stadtmauer sind in einem Guss entstanden (Abb. 2). Die Mauer wurde auf beiden Schalenseiten um 45 cm auf eine Dicke von ca. 2.1 m verbreitert und dies auf einer Länge von 18 m. Die mächtige Bauweise zeigt gut, mit welcher Durchschlagskraft der Pulvergeschütze man dazumal rechnete.
Der Turm besitzt eine kreisrunde Form und setzt im Westen bei einem leichten Knick der Stadtmauer an. Das Kreiszentrum liegt 1.1 m vor der aktuellen äusseren Mauerflucht. Damit schliesst die Turmschale mit leicht spitzem Winkel an die Mauer an. Über dem Erdgeschoss gibt es zwei Obergeschosse, wobei das Obergeschoss auf Rondenwegniveau liegt. Hier beträgt die Mauerdicke nur 1.45 m, um weiter unten zuerst auf 2.8 und schliesslich auf gut 3 m anzuwachsen. Das zweite Obergeschoss ist mit vier Büchsenscharten ausgestattet, das erste Stockwerk mit drei und im Erdgeschoss sind noch zwei Öffnungen integriert. Im Gegensatz zum etwas jüngeren Pulverturm (1480 und 1490) sind die Scharten so ausgelegt, dass die Manipulation der Waffen stehend erfolgen musste.
Der Turm ist vollständig erhalten und weist keine angefügten Ausbauten auf. Es lassen sich alle Details einer Wehrturmkonstruktion aus dieser Zeit ablesen, was selten ist. Einzig das Dachwerk stammt aus einer Renovationsphase im Jahr 1763. Wie eine Inschrift belegt, fanden weitere Renovationen 1898 statt. Gerade diese Sanierung der äusseren Mauerschale mit grossflächigem Steinersatz bis zur Mauerkrone ergab Probleme. Die neuen Steine wurden schlecht mit dem bestehenden Mauerkern verbunden und der ganze Bereich drohte abzuplatzen, wie festgestellte Verschiebungen im Dezimeterbereich eindrücklich zeigten. Bei den jüngsten Eingriffen des 20. Jahrhunderts wurden dann viele Fugen neu mit einem Zementmörtel ausgestrichen, die nun mit der eben abgeschlossenen Renovierung alle entfernt wurden.
Die bestehende Dokumentation aus der bauarchäologischen Untersuchung wird erlauben, das Modell eines Wehrturms zu erstellen, mit dem man sich gegen die immer effektiver werdende Artillerie zu verteidigen versuchte.
