Nördlich der Oltner Altstadt wurden im Herbst 2025 an der Römerstrasse 4 und 6 im Vorfeld eines Neubaus zwei Altbauten abgebrochen. Da Sondierungen im Jahr 2019 zeigten, dass mit römischen Schichten zu rechnen war, führte die Kantonsarchäologie nach dem Abbruch eine baubegleitende Notgrabung durch. Die Stelle lag in der nordöstlichen Peripherie des römischen Vicus im Bereich einer Geländesenke. In der unmittelbaren Umgebung kamen 2015 die Reste einer Töpferei aus dem 1./2. Jh. zum Vorschein. In der Spätantike befand sich der Ort etwa 120 m nördlich des Castrums.

Unter den Kellerböden der Altbauten zeigte sich im westlichen Teil der Fläche eine bis zu 40 cm mächtige Steinschicht, die direkt auf dem anstehenden Kalkfelsen lag. Die Steinschicht erstreckte sich auf einer Fläche von etwa 9 m × 14 m. Ihre ursprüngliche Ausdehnung bleibt unbekannt, da lediglich der nordöstliche Abschluss innerhalb der Grabungsfläche lag. Die Steinschicht bestand aus Bollensteinen, Kies und etwas Ziegelfragmenten und war mit dunklem Lehm durchsetzt. Der Befund ist als befestigter Platz am Rand der römischen Siedlung zu deuten. Gemäss den wenigen, kleinfragmentierten Keramikscherben, die sich zwischen den Steinen fanden, wurde der Platz im 2./3. Jh. begangen. Vier spätantike Münzen belegen, dass er auch im 4. Jh. noch offen lag. In der Südwestecke folgte über der Steinschicht die in Olten übliche, dunkle Schicht aus nachrömischer Zeit (sog. dark earth). Im Nordosten war sie von einem Kolluvium überdeckt.