Vom Herbst 2025 bis Frühling 2026 fanden in der Grabenstrasse in Chur zwischen der Fontanastrasse und der Engadinstrasse umfassende Sanierungsarbeiten an den Kanal- und Werkleitungen statt. Wie der Name bereits vermuten lässt, verlief in diesem Bereich einst der Stadtgraben von Chur mit der äusseren Grabenmauer, die sogenannte Contrescarpe-Mauer, die ins späte 13. oder 14. Jahrhundert datieren dürfte. Die Zuschüttung des Grabens erfolgte in den 1820er-Jahren. Bereits bei früheren Sanierungsetappen, insbesondere in den Jahren 2017 und 2021, wurden grosse Abschnitte der Mauer vom Archäologischen Dienst Graubünden (ADG) gefasst und dokumentiert; sie konnte damals auf einer Länge von rund 330 m nachverfolgt werden.
Die Sanierungsarbeiten an der Grabenstrasse 2025 und 2026 wurden vom ADG wiederum begleitet. Dabei konnte die Contrescarpe-Mauer auf einer Länge von 114 m weiterverfolgt werden, sodass nun mittlerweile 444 m dieser Grabenstützmauer dokumentiert sind. Die noch erhaltene abgebrochene Mauer lag nur wenige Dezimeter unter dem heutigen Strassenniveau und war noch zwischen 3.2 und 3.4 m hoch erhalten. Sie verlief nahezu auf der ganzen Länge im Bereich des neuen 3.5 m tiefen Kanalisationsgrabens, sodass sie grösstenteils abgebrochen werden musste. Die Mauer war im Nordosten zwischen 60 und 70 cm breit und verbreiterte sich gegen Südwesten auf 90 bis 100 cm. Ab der gleichen Stelle, an der sich die Mauer weitete, war an der Mauerkrone eine unregelmässige längs verlaufende Mauerfuge fassbar. Zum Graben hin war der Mörtel nun deutlich anders. Hierbei dürfte es sich um eine Ausbesserung an der grabenseitigen Mauerfront gehandelt haben. Auf den letzten gefassten zehn Metern im Südwesten setzte sich diese Ausbesserung als eigenständige zweischalige Mauer ab, die nun in der Linienführung leicht von der bestehenden Mauer abwich. Der Verlauf der Contrescarpe-Mauer wurde in diesem Bereich somit nachträglich geringfügig verändert.
