LK 1135, 757045/215082. Höhe 472 m.
Datum der baubegleitenden Maßnahmen: Oktober 2012.
Bibliografie zur Fundstelle: JbHVFL 87, 1987, 121-223; 89, 1991, 179-181, 186-192; JbAS 94, 2011, 247 f.
Geplante Überwachung (Neubauprojekt). Größe der überwachten Fläche 100 m².
Siedlung.

Unmittelbar unter dem Humus fanden sich in den obersten Schichten Scherben neuzeitlicher Irdenkeramik. Unter einem 1.50 m mächtigen Paket aus grauem Silt und feinem Sand kamen römische Funde ans Tageslicht. Sie lagen in einer dünnen Kiesschicht eingebettet und dürften von einem Hochwasser verlagert worden sein. Ein Mauerversturz mit Verputzresten und Dachziegelfragmenten könnte von einem nahe gelegenen Gebäude stammen. Die Funde datieren in das 2./3. Jh. n. Chr. In einem der Leitungsgräben kamen bis zu 40 cm große Steine zum Vorschein, die sehr kompakt, jedoch ohne Mörtelbindung in Nord-Süd-Ausrichtung in einer Breite von 70 cm dicht nebeneinander lagen. Ob es sich dabei um die letzten Fundamentreste einer Mauer oder um eine natürliche Formation handelt, war in der kleinen freigelegten Fläche nicht ersichtlich. Seit dem Bau des Binnenkanals in den 1930er-Jahren kommen in Balzers bei Erdarbeiten immer wieder Spuren von römischen Gebäuden und zahlreiche Funde zum Vorschein. Sie gehören, genau wie die aktuellsten Funde vom Winkel, zu einem in der Talebene spätestens ab dem Ende des 1. Jh. n. Chr. bewohnten vicus. Vermutlich zogen sich die Bewohner spätestens ab der 2. H. des 4. Jh. auf sicherere Plätze wie den Felskopf der Burg Gutenberg zurück. Die meisten der in Balzers gefundenen römischen Mauern waren, wie jene im Winkel, von bis zu 3 m mächtigen Schwemm- oder Rüfeschichten bedeckt. Einige wurden wohl bei Hochwasser vom massiven Wasserdruck zum Einsturz gebracht. Wahrscheinlich führte nicht nur die ständige Bedrohung durch die Germanenzüge des 3./4. Jh. dazu, dass sich die Menschen aus der Talebene in die Höhe zurückzogen, sondern auch die durch einen Klimawandel häufiger gewordenen Überschwemmungen und Rüfen.

Archäologische Funde: Terra Sigillata- und Reibschalenfragmente, Eisenobjekte, Dachziegel.
Faunistisches Material: Tierknochen und Mollusken, alle unbestimmt.
Datierung: archäologisch. Römische Zeit; Neuzeit.
Landesarchäologie, Hochbauamt Fürstentum Liechtenstein, U. Mayr.