Am westlichen Dorfausgang von Rafz ist der Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage geplant. Das Grundstück liegt rund 40 m östlich des 1961 untersuchten spätbronzezeitlichen Grabhügels «Im Fallentor». Die reich mit Keramikbeigaben ausgestattete Zentralbestattung sowie mindestens ein weiteres Brandgrab südwestlich des Hügels datieren in die spätbronzezeitliche Stufe Ha B1/B2.

Zwischen dem Grabhügel und der aktuell untersuchten Fläche durchgeführte Sondierungen im Jahr 2006 förderten zwar mehrere Keramikkonzentrationen, jedoch keine weiteren Befunde zutage. Etwa 350 m östlich sind zudem seit dem 19. Jh. mittelbronze- und hallstattzeitliche Bestattungen bekannt.

Die aktuelle Untersuchungsfläche wurde vor Baubeginn mit zwölf Baggerschnitten sondiert. Dabei wurde etwa 80 cm unter Terrain die bereits 2006 beschriebene, bis zu 40 cm mächtige fundführende Schicht erneut gefasst. Darin konnten zwei prähistorische Keramikscherben sowie eine kleine Konzentration kalzinierter Knochen nachgewiesen werden. Aufgrund der Funde beschloss die Kantonsarchäologie Zürich, den für den Spätsommer geplanten Aushub zu begleiten. Im Nordwesten und Südosten der Fläche kamen eine bronzezeitliche Brandgrube, zwei bronzezeitliche Urnengräber, mehrere Pfostengruben und zwei Keramikkonzentrationen zum Vorschein. Die Befunde waren erst im anstehenden glaziofluvialen C-Horizont fassbar.

Die vom Beobachtungshorizont aus 0.3 m in die Tiefe reichende Brandgrube im Nordwesten der Untersuchungsfläche war annähernd rechteckig und mass 2.4 x 2.3 m. Die Längsachse war nordost-südwestlich ausgerichtet. Auf der flachen Sohle lag eine ausgeprägte Holzkohleschicht, die von Hitzesteinen überlagert wurde. Aus der darüber liegenden Verfüllung stammen grössere Keramik- und kalzinierte Knochenfragmente. Die stark brandgeröteten und stellenweise verziegelten Grubenwände belegen eine direkte Befeuerung. Dass sie noch intakt waren, weist zudem auf eine rasche Verfüllung bald nach der Nutzung hin.

Rund 3 m nordöstlich der Brandgrube befand sich eines der beiden Urnengräber. Ein weiteres kam im südwestlichen Bereich der Parzelle, nördlich einer Ost-West-ausgerichteten Pfostenreihe unbekannter Funktion, zum Vorschein. Ob zwischen den Befunden ein funktionaler Zusammenhang besteht, ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Auswertung zu untersuchen.

Vermutlich infolge landwirtschaftlicher Tätigkeiten wurden beide Urnen im oberen Bereich gekappt. Sie weisen einen Durchmesser von rund 30 cm auf. Aufgrund der fragilen Erhaltung und des Zeitdrucks wurden sie im Block geborgen. Derzeit werden sie im Labor der Kantonsarchäologie Zürich freigelegt. Bereits im Feld wurden in beiden Urnen kalzinierte Knochen sowie weitere Keramikgefässe bzw. Gefässfragmente beobachtet. Weitere Grabstrukturen waren nicht erkennbar; die Urnen scheinen in passgenaue Gruben hineingesetzt worden zu sein.

Die Verfüllung der Brandgrube enthielt Keramik der beginnenden Spätbronzezeit (Stufe Bz D). Nach bisherigem Kenntnisstand datiert auch die Keramik aus den Brandgräbern spätbronzezeitlich und passt somit zur beobachteten Bestattungsart. Die auf den archäologischen Gegebenheiten beruhenden Einordnungen sollen mittels C14-Analysen an Holzkohleproben überprüft und gegebenenfalls präzisiert werden.